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RadL sieht im Stadtumbau enorme Chancen

Leonberger Agenda-Gruppe befürwortet den Brückenschlag - Radwegekonzept ist noch nicht durchdacht

Leonberg. Seit mehr als zehn Jahren kämpft RadL, eine Projektgruppe der Lokalen Agenda, für ein besseres Radwegenetz in Leonberg. Mit der Gestaltung des neuen Zentrums sehen die Mitglieder jetzt eine große Chance, sichere Verbindungsmöglichkeiten zu schaffen.

Von Nathalie Mainka

Irmgard Meurer, Sprecherin der RadL-Initiative, wird sich in den nächsten Tagen die ausgestellten Arbeiten des städtebaulichen Wettbewerbes in der Römergalerie anschauen. Sie möchte sich schon einmal einen Überblick über die zukunftsweisenden Veränderungen in Leonbergs Mitte verschaffen - vor dem offiziellen Vorstellungstermin im Rahmen des Agenda-Forums am 3. April.

Was Meurer bis dato von den Planungen gehört hat, klingt ihrer Meinung nach vielversprechend. "Wir stehen voll hinter dem Grundgedanken eines Brückenschlages, der die neue Stadtmitte mit der Altstadt verbinden soll." Konkrete Vorstellungen, wie die RadL-Gruppe die Interessen der Radfahrer in die Planungen miteinbringen kann, hat Meurer noch nicht. "Der Prozess läuft gerade erst an. Wir haben Vertrauen in die Fachplaner, hoffen aber, dass sie ein Augenmerk auf die Radfahrer legen werden", so Meurer. Die haben den Anspruch, in klarer, schneller und sicherer Linienführung von A nach B zu kommen. "In Leonberg werden Radfahrer buchstäblich ausgebremst", sagt Meurer und spricht die nicht zufriedenstellende Situation in der Brennerstraße an. "Hier benutzen Radfahrer und Fußgänger einen Weg gemeinsam, was keine gute Lösung ist."

Seit vielen Jahren setzt sich RadL für Radstreifen auf der Fahrbahn ein. "Beim Ausbau der Stuttgarter Straße habe ich zum ersten Mal miterlebt, dass dieses Konzept auch umgesetzt wird", sagt Meurer. Allerdings ist der Radfahrstreifen stadteinwärts nur bis zur Goethestraße vorgesehen. Dann müssen sich die Radfahrer bis zur Sonnenkreuzung in den Verkehr einfädeln. "In Leonberg gibt es keine einzige Kreuzung, die für Radfahrer sauber gelöst ist", kritisiert die RadL-Sprecherin. Eine große Enttäuschung ist für sie auch die Umgestaltung des Neuköllner Platzes: "Was hier passiert, ist zum Heulen, Radfahrer und Fußgänger passen nicht auf einen gemeinsamen Weg." Die Firma Metron hatte vor Jahren ein Radverkehrskonzept erarbeitet, das die Hauptachsen der Innenstadt berücksichtigt - von der Altstadt über den Neuköllner Platz ins Ezach und vom Ramtel an den Bahnhof. Demnach hätte entlang dieser Straßenzüge ein modernes Konzept entwickelt werden können, das ohne hohe Bordsteine alltagstauglich ist.

Bei der Umgestaltung des Wüstenrot-Areals erhofft sich Irmgard Meurer, dass die RadL-Initiative in die Planungen miteinbezogen wird. Eine Verbindungslösung parallel zur Eltinger- und zur Grabenstraße würde sie dabei begrüßen. "Mir ist durchaus klar, dass auf dem Teilstück von der Post bis zur Grabenstraße die Platzverhältnisse teilweise ausgereizt sind. Wir wollen keine Radfahrstreifen auf Straßen, wo es keinen Sinn macht." Für Meurer ist umweltbewusstes Handeln in der aktuellen Feinstaubdebatte wichtiger denn je. "Wir wollen nicht nur meckern, sondern ganz bewusst einen Aufruf zum Mitmachen starten, denn jeder sollte seinen Beitrag dazu leisten." Und das seien manchmal ganz kleine Schritte. So bietet Irmgard Meurer mit ihren RadL-Kollegen beispielsweise Kindern der Sophie-Scholl-Schule im Ezach einmal pro Woche einen Fahrrad-Begleitservice zum Hallenbad an. "Das wird leider nur schleppend angenommen, doch wir geben nicht auf", sagt Meurer. Sie ist es gewohnt zu kämpfen - und gibt auch hier so leicht nicht auf.