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Radfahrer aus Zug geworfen
 
Mitreisende: "Schikanöses Verhalten"
 

Unter dem Motto "Richtig vorbereitet, wird die Reise mit Bahn & Bike zum Vergnügen" wirbt die Bahn um Kunden. Für Uwe Wieland (38) und Ulrike Milius (36) war ’s Stress statt Spaß. Weil sie auf der Heimfahrt nach Rendsburg keine gültige Reservierung für ihre Räder hatten, ließ der Zugführer sie in Stuttgart aus dem IC 612 werfen.

Von unserer Reporterin
EVA FUNKE

Nach ihrem Radurlaub in der Toscana wollte das Paar um 21.30 Uhr von Florenz mit dem Brenner-Express nach München. Das Pech der beiden Ingenieure: Ab 21 Uhr streikten die italienischen Eisenbahner 24 Stunden. Die beiden konnten erst am nächsten Tag starten. Ihre Fahrkarten waren gültig, aber die Reservierung für die Räder abgelaufen. Kein Problem in Italien Wieland: "Obwohl in dem Waggon nur Platz für acht Räder war, wurden 32 gestapelt. Denn vielen Bikern ging es wegen des Streiks wie uns."

In München stieg das Paar zusammen mit einer Hand voll Leidensgenossen gegen 6.40 Uhr in den IC 612 nach Dortmund und bekam Probleme. "Bahnangestellte erklärten uns, dass in Stuttgart sechs Radler mit Reservierungen zusteigen und machten uns Vorwürfe, weil wir nicht reserviert hatten. Das lässt sich aber vom Ausland aus und so kurzfristig nicht machen", so Wieland.

Am Stuttgarter Hauptbahnhof eskalierte der Streit. Wieland: "Der Zugführer bestimmte: ’Die Sechs ohne Reservierung müssen raus’. Als wir uns weigerten, forderte er Unterstützung vom Bundesgrenzschutz an. Zwei Beamte wiesen uns aus dem Zug." Mit etwas gutem Willen, glaubt Wieland, hätten er und die anderen, die ohne eigenes Verschulden in die Situation gekommen waren, weiter fahren können. "Es waren fast nur Radler unterwegs. Die Abteile waren leer, so dass wir unsere Räder auch dort hätten unterbringen können", meint der 38-Jährige. Dass keiner der Zugbegleiter alternative Verbindungen vorgeschlagen hat, findet er besonders ärgerlich. "Wir hatten keine Ahnung, wie ’s weiter gehen sollte."

Dass der Zugführer so rigoros vorgehen musste, bezweifeln auch die mitreisende Biker mit Reservierung. Sigrid Ringwald-Schäfer aus Affalterbach. "Alle im Abteil wollten die Räder so verstauen, dass niemand aus dem Zug musste, waren empört über den Zugführer. Außerdem wurde das Abteil in Heidelberg leer." Die 57-Jährige beschwerte sich schriftlich bei der Deutschen Bahn AG über das "schikanöse Verhalten".

Horst Fielbrandt, Sprecher der Bahn AG in Stuttgart, nimmt den Zugführer in Schutz: "Wir bedauern den Vorfall. Aber der Zugführer hat sich korrekt verhalten. Durch die Räder war der Fluchtweg verstellt." Uwe Wieland und seine Freundin kamen etwa zwei Stunden später daheim in Rendsburg bei Hamburg an. Der IC 612 hatte insgesamt 17 Minuten Verspätung. Reisende, die in Heidelberg in den Interregio und in Mannheim in den IC umsteigen wollten, haben den Anschluss verpasst - genau wie die Bahn in Sachen Service: "Die französischen Eisenbahner hatten in Florenz extra einen Pavillon aufgebaut und ihre Fahrgäste dort über neue Verbindungen informiert", sagt Wieland.
 
Aktualisiert: 31.05.2002, 18:15 Uhr