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Radfahren ist Kopfsache

von Michael Schmidt

"Radfahrer haben nichts zu verlieren außer ihren Ketten." Das Spontisprüchlein in Abwandlung eines Marx-Zitates soll erstmals auf einer Mauer in Berlin-Kreuzberg aufgetaucht sein. Doch in Leonberg scheint der Spruch in umgekehrtem Sinn zu gelten. "Radfahrer haben nichts verloren. Schon gar nicht bei uns", scheint mancher Gemeinderat zu denken. Freilich, für die Ausfahrten bei schönem Wetter, da wird der 30-Gang-Drahtesel gerne per Dachgepäckträger gen Schwarzwald transportiert, um dort die Sonntagsrunde zu drehen. Montags früh in der Grabenstraße ist der Spaß vorbei. Leonberg ist viel zu buckelig, als dass sich das Rad je für den innerstädtischen Transfer ihrer Bürger eignen würde - gegen dieses Vorurteil streiten die Rad-Aktiven der Lokalen Agenda vergebens an. Dabei leben 80 Prozent der Menschen in der Kernstadt zwischen Seestraße und Glems, zwischen Ezach und Ramtel. Das ist ein konditions- und alltagsfreundliches flaches Terrain.

Beim Radfahren kommt es auf den Kopf an, sagt Radprofi Erik Zabel. Genau das gilt aber nicht nur für Sportler, sondern auch für Kommunalpolitiker. Wer von vornherein die Option Fahrrad im Verkehrstrubel seiner Stadt ausschließt, sät noch mehr Autos. Das jüngste Beispiel, die Umgestaltung der neuen Stadtmitte, ist bezeichnend. Schulkindern sei zur eigenen Sicherheit ein eigener Sektor auf der viel befahrenen Leonberger Straße nicht zuzumuten, bestimmte die Mehrheit des Gemeinderats. Die Konsequenz? Mütter, steigt in eure Autos! Fahrt eure Sprösslinge im schützenden Schoß schwerer Geländewagen durch die Stadt! Weil immer mehr Autos die armen Fußgänger und Radfahrer bedrohen. Warum wohl?