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Ohne Abgas und Motorenlärm durchs Wiesental

EHNINGEN - Alle (Rad-)Wege führten am autofreien Sonntag im Kreis nach Ehningen. "Ein zentraler Punkt für alle aus dem ganzen Kreis'', meinte Landrat Bernhard Maier, der aus Malmsheim angeradelt kam. 60 bis 70 Radler schlossen sich am Ende der Leonberger und Renninger Gruppe an. "Ohne Probleme'', so der Landrat, gelangten alle ans (erste) Ziel in Ehningen.

Von Sybille Schurr

Auf dem Parkplatz von Sehne Backwaren trafen sich die Radler aus dem ganzen Kreis. Eine fünfstellige Teilnehmerzahl, wie sie sich der ehemalige Radsportler Hans Lutz erhofft hatte, kam aber nicht zustande. Angesichts drohender Regenwolken blieben doch viele Radler daheim, auch die zweite Blade Parade konnte nicht mehr als 50 oder 60 Inline-Skater verzeichnen. "Wir sind schnell unter den Regenwolken durchgefahren'', erklärte die FDP-Landtagsabgeordnete Heiderose Berroth, nur wenige Regentropfen bekamen die Radler ab.

Auf dem Bäckerei-Parkplatz drehte sich alles ums Fahrrad. Im Festzelt bestaunten die Radfahrer die rollenden Untersätze von prominenten Radsportlern, besonders eindrucksvoll das Radungetüm, mit dem Francesco Moser in Stuttgart einen Bahnrekord gefahren hat: 1,02 Meter Durchmesser hat das Hinterrad, das als Schwungmasse für's Tempo sorgen muss.

Um Tempo ging es bei den meisten Radlern an diesem Sonntag nicht. Das Erlebnis gemeinsam durch den Kreis zu radeln, stand eher im Vordergrund.

Das galt ganz besonders für das Maurener Tal. Am autofreien Sonntag war die Kreisstraße 1001 zwischen Holzgerlingen und Ehningen für den Autoverkehr gesperrt. "Das sollte jeden Monat einmal sein'', sagten einige Holzgerlinger Wanderer, die endlich wieder einmal die Möglichkeiten hatten, "ihr'' Tal zu genießen. Die schmale Straße, die sich etwa fünf Kilometer durch das romantische Wiesental an der Würm entlang windet, ist für Ortskundige zu einem Schleichweg geworden. Wenn auf der A 81 wieder einmal nur noch stop and go angesagt ist, rauschen sie mit beträchtlichen Geschwindigkeiten durch das kurvenreiche Tal. Kreuze am Wegrand erzählen davon. Landrat Maier erhofft sich eine "deutliche Entlastung'' für die Kreisstraße 1001, wenn endlich die B 464 zwischen Holzgerlingen und Böblingen fertiggestellt ist.

Doch am Sonntag gehörte das Tal den Radfahrern, den Inline-Skatern und den Fußgängern. Hocketsen und Verpflegungsstationen luden zur Rast ein. Ein zentrales Ziel: Mauren. Nicht nur die Rast im säkularisierten Teil der Maurener Kirche war für die meisten ein besonderes Erlebnis, die Führungen durch die Kirche waren's auch. Nur wenige wissen um die Bedeutung der ehemaligen Wallfahrts- und Pfarrkirche, die im Jahr 1320 erstmals urkundlich erwähnt ist. Um Kirche gruppieren sich die alten und neuen Gebäude des Hofguts, einige alte Tagelöhnerhäuschen und die Überreste des 1943 durch Bomben zerstörten Schlosses, das Heinrich Schickhardt 1617 für Friedrich Schertlin von Burtenbach erbaute.

Radler, Fußgänger, Inline-Skater, junge und ältere, sie alle genossen das kleine Stückchen des autofreien Kreises. Gut allerdings, dass nicht die erwarteten Massen gekommen waren, denn dann hätte das Sträßchen unter der gleichen Überlastung gelitten wie an anderen Tagen, wenn eilige Autofahrer durchbrausen. Auch am autofreien Sonntag war Geschwindigkeit für manche Radler das allerwichtigste. Die Fahrradklingel ersetzte die Lichthupe, wenn sie sich ihren Weg bahnten. Der Kreis ist ohne Auto ins Rollen gekommen, so wie sich das der Landrat gewünscht hat. Und sicher wird das Maurener Tal im kommenden Jahr den nächsten autofreien Sonntag erleben.