ZURÜCK

 

Lokale Agenda plant Radpatenschaft mit Afrika

Bei der Fahrradbörse der RadL-Gruppe sind 50 Räder für Ghana gesammelt worden - Helfer und Ersatzteile für Aufbau von Werkstätten gesucht

Leonberg. Alte Fahrräder aus Leonberg gehen auf eine Weltreise. Sie werden auf Container verschifft, um afrikanischen Staaten wie Ghana oder Kenia zu helfen. 50 Räder für Afrika wurden bei der Fahrradbörse der RadL-Gruppe am Samstag vor der Stadthalle gesammelt.

Von Daniel Renkonen

Ewald Baumann ist auf dem Bürgerplatz ein gefragter Mann. Mit kritischem Blick inspiziert der Zweiradmechaniker aus Stuttgart die am Samstag angelieferte Ware, dann nicht er anerkennend: "Nicht schlecht, das ist wirklich gute Qualität". Gemeint sind die vielen Herren-, Damen- und Kinderräder, die Leonberger Bürger bei Baumann abgegeben haben. Abgefahrene Reifen oder verdrehte Sattel stören Baumann und seine Entwicklungshelfer vom Stuttgarter Verein Technik & Solidarität nicht. Hauptsache die Drahtesel fahren noch.

Denn in Afrika wird die Ware "made in Germany" zum Transport von Bananen, Bambus oder Wasser dankend angenommen - vorausgesetzt, sie kommt überhaupt an. "Das ist momentan eines unserer größten Probleme", sagt Baumann, während seine ölverschmierten Hände ein Kinderfahrrad in einen weißen Transporter hieven. Weil die Containerware nur in Ghana zollfrei ist, liegt sie teilweise mehrere Wochen in den Häfen vieler Ankunftsländer fest. Das mussten die deutschen Helfer schon schmerzlich erfahren. Erst kürzlich reiste Baumann nach Kenia, aber seine Räder waren noch nicht da. Unverrichteter Dinge musste er wieder den Rückflug antreten. Trotzdem leisten alte Räder aus Deutschland in Afrika wertvolle Dienste. Sie sichern nicht nur Arbeitsplätze durch nötige Reparaturen, sondern sind ein umweltfreundliches Fortbewegungsmittel für Landwirte, die teilweise bis zu 200 Kilogramm schwere Lasten transportieren müssen. Es gibt bereits zahlreiche Hilfsprojekte von Nichtregierungsorganisationen. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) lieferte 300 Räder, Computer und Nähmaschinen nach Ghana. In Hohoe wurde gleichzeitig ein Fahrradausbildungszentrum eingerichtet.

Die Räder aus Leonberg will Baumann und sein kleines Team ebenfalls nach Ghana liefern. Die Reise geht über ein großes Lager in Plieningen auf dem Wasserweg vom Bad Cannstatter Containerterminal nach Hamburg, von wo aus die Fracht zunächst in den Containerhafen Antwerpen gebracht wird. Von dort stechen die Ozeanriesen dann in See nach Afrika. Die Transportkosten werden komplett von der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) übernommen. "Vor Ort in Afrika bräuchten wir allerdings mehr Reparaturwerkstätten für Räder. Da fehlt es noch an allen Ecken und Enden", moniert Entwicklungshelfer Baumann. Die Menschen dort seinen oft verzweifelt, weil ihnen die einfachsten Werkzeuge fehlten. Die Nichtregierungsorganisationen suchen nun nach Helfern oder Touristen, die beim Aufbau solcher Werkstätten mit Hand anlegen.

Für die lokale Agenda in Leonberg könnte das ein willkommenes Hilfsprojekt sein. Nachdem die Hilfsaktion am Samstag ein voller Erfolg war, ist nun eine Fahrradpatenschaft mit einem afrikanischen Land im Gespräch. "Damit könnten wir sehr gezielt helfen" sagt Irmgard Meurer von der RadL-Agendagruppe.

Unabhängig vom Entwicklungshilfeprojekt wechselten bei der Fahrradbörse wieder viele Räder den Besitzer. Nach ersten Zählungen der RadL-Gruppe wurden insgesamt 102 Räder angeliefert. Für das teuerste Stück wurden 600 Euro verlangt. Die Räder fanden einen reißenden Absatz. Zehn Prozent des Verkaufspreises zweigte RadL als Gebühr ab. Der Erlös kommt wie in den Vorjahren dem Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Leonberg zugute. "Mit dem Geld können verschiedene Umweltschutzmaßnahmen in der Stadt finanziert werden", schwebt Meurer vor.

INFO: Weitere Informationen zu den Fahrradspenden nach Afrika gibt es im Internet beim Verein "Technik Solidarität" in Stuttgart unter : www.tus2005.net