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Lokale Agenda 21: Stadt Leonberg soll bei einem Nachhaltigkeits-Wettbewerb mitmachen

LEONBERG - Wie kann ein zukunftsfähiges Leonberg aussehen? Über diese Frage haben die Mitglieder der Lokalen Agenda 21 bei ihrer dritten Vollversammlung im JKG am Donnerstagabend leidenschaftlich diskutiert. Ein kommunaler Nachhaltigkeits-Wettbewerb wurde ins Spiel gebracht, mit dem die Städte und Gemeinden ihren Agenda-Prozess verbessern können.

Von Daniel Renkonen

Dass die Bürger es mit ihrem neuen Vorstoß ernst meinen, zeigten sie zu später Stunde am Ende der Veranstaltung. Fast einmütig stimmten sie einem Vorschlag des Agenda- Forum-Vorsitzenden Peter von Lieven zu, einen neuen Arbeitskreis einzurichten. Er trägt den etwas sperrigen Namen "Weg zu einem nachhaltigen und zukunftsfähigen Leonberg''.

Zuvor gab es einen Stabwechsel an der Spitze der Vollversammlung, zu der auch Oberbürgermeister Bernhard Schuler und Gemeinderäte aller Fraktionen gekommen waren. Die engagierte und streitbare Sprecherin Beate Junker gab ihren Posten, wie im Vorfeld angekündigt, ab. Für sie wurde mit klarer Mehrheit Andrea Herden gewählt. Sie setzte sich in einer Stichwahl mehrheitlich gegen Wolfram Pönitz durch. Herden leitet den Arbeitskreis Kind und Familie. Sie kündigte an, den Kontakt zur Stadt verbessern zu wollen. "Mir ist auch wichtig, dass die Zusammenarbeit in den einzelnen Arbeitskreisen funktioniert'', sagte die neue Sprecherin. An ihrer Seite steht künftig Frieder Roschy (Arbeitskreis Eine Welt), der zu ihrem Vize-Sprecher gewählt wurde.

Beide haben eine Menge vor. Ihre wichtigste Aufgabe dürfte es sein, die Vorschläge aus den Agenda-Arbeitskreisen an den Gemeinderat heranzutragen. Denn hier gibt es in Leonberg momentan die größten Defizite, was auch am Donnerstagabend deutlich wurde. Zwar sind einige Maßnahmen bereits umgesetzt worden, doch viele gut gemeinte Vorschläge seien bisher ins Leere gelaufen, beklagten mehrere Redner. Ewald Thoma vom Arbeitskreis Immissionen machte beispielsweise keinen Hehl daraus, dass er sich vom Gemeinderat schlicht nicht "ernst genommen'' fühle. Zudem habe man in Verkehrsfragen mit der Stadt "große Probleme''.

Eine der vielen Zukunftsvisionen, die im JKG präsentiert wurden, heißt "Zukunftsfähige Kommune''. Beate Junker brachte sie ins Spiel - und Carla Vollmer von der Deutschen Umwelthilfe stellte sie den Anwesenden vor. Die "Zukunftsfähige Kommune'' ist ein interkommunaler Wettbewerb zur Lokalen Agenda 21. Die bundesweite Kampagne wurde erst im September dieses Jahres ins Leben gerufen. "Wir wollen damit erreichen, dass die Städte und Gemeinden freiwillig ihre nachhaltige Politik überprüfen'', erläuterte Expertin Vollmer.

Nachhaltig heißt, dass eine Stadt oder Gemeinde sich so entwickelt, dass sie dauerhaft lebenswert wird. Hierfür hat die Deutsche Umwelthilfe ein kommunales Leitbild entworfen, das sich an den Beschlüssen der UN-Klimakonferenz von Rio de Janeiro von 1992 orientiert. Danach ist eine Stadt dann lebenswert, wenn sie sich sozial gerecht, umweltschonend und wirtschaftlich effizient entwickelt. Zudem müsse man sich in ihr "wohlfühlen''. Auf die Frage, wie man denn das feststellen könne, meinte Vollmer: "Wir haben hierfür 52 Nachhaltigkeits-Kriterien aufgestellt.'' Die Umwelthilfe unterscheidet hier positive und negative Indikatoren. Positiv wird beispielsweise ein umfangreiches Betreuungsangebot für Kinder und Jugendliche gewertet. Ebenso wie die Integration von Ausländern, die Anzahl von Naturflächen, die kommunalen Gewerbesteuereinnahmen, Radwege oder die Flächeneffizienz der örtlichen Unternehmen.

Negativ-Indikatoren sind für die Umwelthilfe dagegen Armut, kommunale Schulden, Kriminalität, hohe Autodichte oder ein hoher Energieverbrauch. Laut Vollmer können interessierte Kommunen ihre Bewerbungen noch bis 1. März 2002 oder dann ein Jahr später einreichen. Hierfür müssen die Kommunen aber umfangreiche Daten erheben, wie beispielsweise die aktuellen Arbeitslosenzahlen. Den Zeitaufwand hierfür bezifferte Vollmer auf bis zu zwei Monate. Auf die Nachfrage eines Zuhörers, wie viel die Datenerhebung für eine Stadt wie Leonberg koste, antwortete die Umwelthilfe-Expertin: "Die Kosten dürften im Sachkostenbereich liegen.''