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Kostenloses Gartencamping kommt bei Radfreunden an
 
Sieben Privatpersonen aus dem Kreis Böblingen stellen durchziehenden Tourenradlern einen Schlafplatz zur Verfügung
 
BÖBLINGEN. Reisende hoch zu Drahtesel können kostengünstig Touren radeln, im Kreis wie in der ganzen Republik. Vorausgesetzt, sie melden sich beim ADFC-Dachgeber an. Mirko Reifergerste aus Leonberg hat es getan.

Von Veronika Renkenberger

Ob Bodensee, Donau-Radwanderweg, Mecklenburgische Seenplatte oder Nordseeküste: in der Postleitzahlen-Übersichtskarte des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) findet man die meisten beliebten Inlandsreiseziele, außerdem ein dichtes Netz von Quartieradressen über die ganze Republik: Rund 3000 Fahrradfreunde bieten in Haus und Garten 11 000 kostenlose Übernachtungsplätze an. Allerdings nicht für jedermann, der Dachgeber funktioniert vielmehr auf Gegenseitigkeit. Sprich, wer sich selber aufnehmen lässt und prinzipiell bereit ist, Radler zu beherbergen, bekommt gegen eine Schutzgebühr (maximal zwölf Euro) die aktuelle Jahresausgabe des praktischen weiß-blauen Heftchens zugeschickt.

Auch Nicht-ADFC-Mitglieder können beitreten, ebenso Kurzentschlossene, die den Service sofort in Anspruch nehmen wollen. Allerdings zahlen sie neben dem Jahresbeitrag für 2002 auch gleich fürs folgende Jahr und werden 2003 vollautomatisch aufgenommen ins Dachgeber-Verzeichnis.

Joseph Schwieters, ADFC-Kreisverbandsvorsitzender in Böblingen, war selber jahrelang eingetragen. "Von der Idee her finde ich das sehr gut." Zumal es ein Angebot für alle sei, Singles wie Familien, Studierende wie Rentner. In der Region werde es weniger stark in Anspruch genommen. Schwieters erklärt dies mit der Landkarte: "Wir liegen hier eben nicht direkt an einem Rad-Fernweg." Die beliebtesten Routen führen durchs Neckar- und Rheintal, an der Donau entlang oder durch den Schwarzwald. Andererseits steuere man als Benutzer des Dachgebers seine Gastgeber ja gezielt an und plane die Tour mit deren Adressen im Hinterkopf.

Wie sich Gastgeber und Gäste begegnen sollten, dafür stellt der Dachgeber einige Regeln auf. So muss der Reiseradler in jedem Fall Schlafsack und Isomatte dabeihaben; wenn die Liste Gartenschlafplätze angibt, auch ein Zelt. Anmeldung ist Pflicht, eintreffen sollte man zwischen 18 und 21 Uhr. Autofahrer werden generell nicht beherbergt, manche machen eine Ausnahme für Tramper oder Bahnreisende.

Außerdem kann der Gastgeber bei seiner Registrierung Einschränkungen oder Angebote mit aufnehmen lassen: Manche Quartiere sind nur für Nichtraucher oder für Frauen. Andere schreiben "Kinder willkommen" oder erwähnen, dass das Domizil behindertengerecht ist. Eingetragen wird auch, ob die Gastgeber Fremdsprachen können.
 
Aktualisiert: 15.08.2002, 06:34 Uhr