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Keine freie Fahrt für Radler auf der Stadtautobahn
 
Eine Fahrspur der Eltinger Straße zwischen Neuköllner Platz und Post sollte für Autos gesperrt werden - Räte sagen Nein
 
Leonberg. Eng könnte es für die Autofahrer auf der Eltinger Straße zwischen Neuköllner Platz und Postamt werden. Stellt sich der Gemeinderat gegen den Planungsausschuss, soll im Frühjahr hier eine der beiden Fahrspuren in Richtung Norden für Radfahrer reserviert werden.

Von Arnold Einholz

Mit diesem Versuch wollte die Stadtverwaltung herausfinden, ob sich das so genannte Metron-Konzept für Radfahrer verwirklichen lässt. Doch der Planungsausschuss hat kein grünes Licht gegeben - es soll abgewartet werden, bis die Planungen der Zwischenstadt vorliegen. Nun hat der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung das letzte Wort.

Ende der 90er-Jahre hat die Stadt zusammen mit dem Ingenieurbüro Brenner und Münnich ein Verkehrskonzept erstellt, das für alle möglichen Verkehrsarten in Leonberg eine künftige Perspektive aufzeigen soll - vor allem, wie die von Autos chronisch überlastete Ortsdurchfahrt entlastet werden kann.

Basierend auf diesen Ideen und dem vom Gemeinderat beschlossenen Radwegeplan wurden in den Jahren 1994 bis 2000 etwa 2,6 Millionen Mark in Radwege investiert. Als weiterer Schritt wurde 2001 die Berner Firma Metron beauftragt, die Radwegekonzeption zu überarbeiten und fortzuschreiben. Das Werk ist dann für lange Zeit in den Schreibtischschubladen der Stadtverwaltung verschwunden, weil die Mehrheit im Leonberger Gemeinderat nur wenig Chancen sah, das Konzept umzusetzen.

Dabei sehen die Fachleute von Metron für Radfahrer gute Chancen in Leonberg, weil das Fahrrad vorwiegend für Entfernungen von bis zu drei Kilometern genutzt wird. Weil sich die Kernstadt von Osten nach Westen über drei Kilometer und von Norden nach Süden nur 2,5 Kilometer weit ausdehnt, könne man mit dem Rad von jedem Punkt die Stadtmitte in etwa fünf Minuten erreichen. Problematisch für Radfahrer seien allein die Gartenstadt, das Gebiet Engelberg und der nördliche Teil des Ramtels, sagen die Schweizer Verkehrsfachleute.

Die Radfahrer, die in Leonberg laut Untersuchungen etwa neun Prozent der Verkehrsteilnehmer ausmachen, sollten besser neben den Autos fahren als auf Fußgängerwegen, sagen die Schweizer Experten. Deshalb sollten Radler so weit wie möglich zusammen mit dem Kfz-Verkehr geführt werden - also auf der Fahrbahn.

Vor diesem Hintergrund hat Metron das so genannte Betriebskonzept Brennerstraße - Leonberger Straße - Eltinger Straße entwickelt. Der Bund hat als Straßenbesitzer das Konzept wegen der hohen Verkehrsbelastung von mehr als 20 000 Autos auf der B 295 abgelehnt. Doch ab 1. Januar 2009 wird mit dem Autobahnanschluss Leonberg-West aus der Bundes- eine Gemeindestraße. Dann könnte ein Radverkehrskonzept umgesetzt werden, angepasst an fünf unterschiedliche Abschnitte der Ortsdurchfahrt von der Brennerstraße über den Neuköllner Platz bis hin zur Grabenstraße.

Für den Abschnitt der Eltinger Straße von der Stadtmitte bis zur Post sieht Metron auf beiden Seiten einen 1,75 Meter breiten Radfahrstreifen vor. Für die dafür benötigte Fläche soll eine Spur für Autos entfallen, und zwar in nördlicher Fahrtrichtung. Von der Altstadt zur Stadtmitte sollen so zwei Geradeaus-Spuren erhalten bleiben, an den Kreuzungen ist der rechte Radstreifen auch Rechtsabbiegespur der Autos. In der Gegenrichtung soll es von der Stadtmitte zur Altstadt nur noch eine Fahrspur geben. Die an den Knoten breitere Fahrbahn könnte als Linksabbiegespur dienen, so die Fachleute von Metron.

Die Stadtverwaltung vertritt die Ansicht, dass diese Variante zu Rückstaus und Verkehrsverlagerungen in die Stadtmitte und die Römerstraße führt. Um es genau zu testen, sollte im Frühjahr ein Fahrstreifen von der Stadtmitte bis zur Post für Autofahrer tabu sein. Doch nun ist bis zum Votum des Gemeinderates vorerst alles auf Eis gelegt.