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Intelligent mobil

Papier ist geduldig, geht's um die Vorzüge des Fahrrades. Zwei Räder ohne Motor sind schnell, leise, machen fit, stehen weder im Stau noch brauchen sie Parkraum. Wenn's nur so einfach wäre mit der Alltagstauglichkeit des Fahrrades. Meist ist es so, dass morgens graue Wolken überm Horizont liegen, Leonberg und Eltingen dagegen hinterm Berg, und der Berg wiederum ist schweißtreibend. Und übermäßig transpirierend sollte man den Geschäftstermin am Mittag dann doch nicht wahrnehmen. Und zum Baumarkt wollte man auch noch...

Also bleibt die Mehrheit der hiesigen Pendler Sonntagsradler. Was ja auch kein Stigma sein muss: So wie am kommenden Sonntag, wenn wieder Hunderttausende aufgerufen sind, genau dort nach Herzenslust zu radeln und zu rollen, wo sonst nur GTIs in den Graben rasen. Die Bemühungen, die Deutschen aufs Rädle zu heben, sind bemerkenswert. Begeistert von der Kombi Hochleistungssport und Fahrrad sind die Schwaben schon lange, zuletzt bewies dies der Jubel für die Heroen der Deutschland-Tour.

Wer aber tatsächlich an einem ganz normalen Morgen den Weg zur Arbeit radelnderweise zurücklegt, der erlebt den ganz normalen Wahnsinn. Das Verhältnis von Rad- und Autofahrern zeugt eher von einem großen Missverständnis denn von Verständnis. Subjektiv scheinen vor allem jene einen Radfahrer anzuhupen, zu schneiden und zu übersehen, die ansonsten gerne am Wochenende auf Wanderparkplätzen ihre schweren Räder vom noch schwereren Auto stemmen. Um dann eine Runde in der Natur zu drehen, und schließlich Stahlrösser samt Familie wieder nach Hause zu karren - per Auto.

Dass der Aktionstag Spaß bereitet ist eines. Ob er Werbung macht für den alltagstauglichen Einsatz von intelligenter Mobilität bleibt fraglich. Womöglich leisten da die Mineralölkonzerne mit ihren Benzinpreisspiralen die bessere Arbeit.