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In der Autostadt bekommen Radler Vorfahrt
 
In Sindelfingen gibt es die erste Fahrradstraße in der Region Stuttgart - Modell für andere Städte
 
Sindelfingen. Die erste Fahrradstraße der Region findet sich in Sindelfingen. In einem vom Innenministerium des Landes geförderten Modellprojekt soll das Autobauerzentrum zu einer "fahrradfreundlichen Stadt" werden.

Von Gerlinde Wicke-Naber

Bereits im Jahr 2002 hatte der Sindelfinger Gemeinderat die Umsetzung des Radnetzkonzepts beschlossen. Doch mehrmals musste das Vorhaben wegen der schlechten Haushaltslage verschoben werden. Jetzt, nachdem sich die finanzielle Situation der Stadt verbessert hat, sollen die Vorschläge, die das Stuttgarter Planungsbüro Ingenieur Gesellschaft Verkehr (IGV) entwickelt hat, schrittweise verwirklicht werden.

500 Fahrradfahrer hatten die Mitarbeiter des Büros IGV in den Jahren 2000 und 2001 befragt und sie im Straßenverkehr beobachtet. Die Verkehrsplaner interessierten sich vor allem für die "mentalen Karten" im Kopf der Radler. Welche Straßen bevorzogen die Radfahrer. Auf welche Hindernisse stoßen sie unterwegs? Liegen dunkle Unterführungen oder dicht befahrene Schnellstraßen auf einer Route? Diese mentalen Streckenführungen der Fahrradfahrer einschließlich aller Mängel und Probleme haben die Mitabeiter des Planungsbüros erfasst und dann an Hand dieser Daten verschiedene Problemlösungsvorschläge erarbeitet.

26 Routen von Nord nach Süd, Ost nach West und kreuz und quer durch die Stadt haben die Planer bei ihren Befragungen ermittelt. Auf jeder Route gibt es andere Probleme: Mal behindern hochgestellte Bordsteinkanten ein zügiges Vorankommen mit dem Rad, mal gefährden unübersichtliche Autoausfahrten die Sicherheit der Radler, andernorts sind die Ampeln zu lange geschaltet, oder der Belag ist rutschig. Vorschläge wie das Absenken von Bordsteinkanten oder der Austausch des Straßenbelags sollen die Verkehrssituation für Radler verbessern. Insgesamt eine Million Euro sollen die geplanten Umbauten kosten. Doch wie viele der Vorschläge umgesetzt werden können, hängt vor allem von der künftigen Haushaltslage der Kommune ab.

Die Fahrradstraße, die gleich hinter dem Kaufhaus Domo am Hirsauer Platz beginnt und die Liebenzeller Straße entlangführt, ist der erste Schritt zur Verwirklichung des neuen Konzepts. "Diese Achse, die Route 6 der Konzeption, hat sich als wichtige Verbindung für Radfahrer zwischen dem Wohngebiet Hinterweil und der Innenstadt erwiesen", sagt Planer Tröger. Auf rund einem Kilometer Länge erhalten die Radler die Vorfahrt. Autofahrer dürfen die Straße nur nutzen, wenn sie dort wohnen oder jemanden besuchen wollen, und sie müssen ihre Geschwindigkeit an die Radfahrer anpassen.

Als Nächstes sei "Aufforderungsschleife" an der Pfarrwiesenkreuzung geplant, sagte der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer bei der Übergabe der Fahrradstraße. Dort soll ein Signalelement im Boden künftig Fahrradfahrer erkennen und so die Ampeln für die Radler schneller schalten. Sindelfingen war im Jahr 2000 vom Stuttgarter Planungsbüro IGV als Modellstadt für die neue Radwegkonzeption ausgewählt worden, das Innenministerium hatte das Projekt mit 20 000 Euro gefördert. "Von der Topografie her ist die Stadt ideal für Radler: wenig Hügel, kurze Strecken", sagt Peter Sautter vom Büro IGV. Im kommenden Frühjahr soll es eine Nacherhebung geben. Dann werden die Radler befragt, wie sie mit der Fahrradstraße zurechtkommen. Die Ergebnisse aus dem Sindelfinger Projekt sollen später in die Verkehrskonzepte anderer Städte mit einfließen, sagt Peter Sautter.