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Ideen für städtisches Radkonzept liegen auf dem Tisch

LEONBERG - Ein Jahr ist es her, da hat die Stadtverwaltung die Firma Metron mit einem Gutachten zum Radverkehr beauftragt. Die Vorschläge liegen inzwischen vor. Im Oktober oder November soll der Gemeinderat entscheiden, was umgesetzt wird und was nicht. Bis dahin muss sich die Öffentlichkeit mit konkreten Informationen weiterhin gedulden.

Von Daniel Renkonen

So viel steht aber fest: Die Gutachter haben in ihre Untersuchung nicht die gesamte Stadt einbezogen, sondern sich nur auf die Hauptradwege in der Neuen Stadtmitte konzentriert. Sie betreffen vor allem die Brenner-, Leonberger- und Eltinger Straße, wo es zur Zeit weder durchgängige noch sichere Radwege gibt.

Die jetzt vorgelegten Ergebnisse sind nach Informationen unserer Zeitung tief greifend. Es ist sogar von "revolutionären Ideen'' zu Gunsten der Pedaltreter die Rede. Denn den Radlern soll auf den Straßen deutlich mehr Platz eingeräumt werden wie bisher. Zum Beispiel durch eigene, deutlich markierte Schutzstreifen. Eine gefahrenlose Verbindung in die Altstadt, von lokalen Fahrradverbänden schon lange gefordert, ist ebenfalls im Gespräch. Politisch dürften die Vorschläge umstritten sein, weil größere Flächen für den Radverkehr zwangsläufig Eingriffe in die bestehenden Straßen bedeutet. Die Stadt hüllt sich zu dieser Frage indes in Schweigen. "Da kann ich überhaupt nichts zu sagen'', erklärt Pressesprecherin Undine Binder-Farr auf Anfrage. Eine kontroverse Debatte im Vorfeld der entscheidenden Gemeinderatssitzung im Herbst soll offenbar vermieden werden.

"Wir wollen uns innerhalb der Verwaltung erst einmal ein Meinungsbild machen. Danach wird der Entwurf in der Arbeitsgruppe Radverkehr im September diskutiert'', macht Binder-Farr klar. Die Fäden laufen bei Baubürgermeisterin Inge Horn zusammen. Horn sitzt zudem in der Arbeitsgruppe. Dort sind zudem Vertreter der einzelnen Gemeinderatsfraktionen, des Vereins Sicherer Schulweg und der RadL-Gruppe. Die Arbeitsgruppe kann gegenüber dem Gemeinderat durchaus Empfehlungen abgeben. Sie sind für die einzelnen Fraktionen aber nicht bindend.

Binder-Farr rechnet damit, dass die Gutachter ihre Studie im Gemeinderat ausführlich erläutern. Sie sind in konzeptionellen Fragen sehr erfahren. Die Schweizer erstellten bereits mehrere Radwegekonzepte, beispielsweise für die Bodensee-Stadt Friedrichshafen.

Dass das Angebot für Radler in der Stadt verbessert werden muss, darüber sind sich fast alle Beteiligten einig. Hierfür spricht der geringe Radverkehrsanteil von neun Prozent. Ein niedriger Wert, wenn man die Leonberger Verhältnisse mit anderen Städten in der Region Stuttgart vergleicht, wie selbst das Ingenieurbüro Brenner und Münnich im Verkehrsentwicklungsplan feststellte. Auffallend ist, dass nur ein kleiner Teil der Leonberger zum Einkaufen mit dem Fahrrad fährt, gerade einmal elf Prozent. Die meisten Fahrten werden laut Brenner und Münnich zwischen dem Stadtteil Eltingen und der Neuen Stadtmitte zurückgelegt. Konkrete Verbesserungsvorschläge sucht man im Verkehrsentwicklungsplan allerdings vergeblich. Es wird lediglich auf den Maßnahmenkatalog des alten Radverkehrsplans aus dem Jahr 1993 verwiesen.

Unterdessen mahnen Fachleute einen Ausbau von Radwegen an. Ansonsten würde sich der Verkehrskollaps auf den verstopften Straßen der Region noch weiter verschlimmern, prophezeien sie.