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Gemeinderat will deutlich breitere autofreie Flächen - aber keine separaten Radwege auf der Leonberger Straße
 
Leonberg. Die Asphaltsanierung der B 295 in der Stadtmitte will der Gemeinderat als Chance nutzen. Kostengünstig soll beim Leo-Center "entrümpelt" werden: Barrieren und Hochbeete sollen

weichen, ein "Platzcharakter" entstehen. Separate Radspuren haben keinen Platz.

Von Michael Schmidt

Am Ende waren die Grünen-Gemeinderäte Bernd Murschel und Gudrun Sach mit vier weiteren Mitstreitern allein gegen die Mehrheit des Gemeinderates: Großzügige Gehwege nach dem Vorbild der Römergalerie sollen künftig für Radfahrer und Fußgänger mehr Platz bieten. Zudem sollen zwischen Eiscafé und Sandwichbar sowie dem gegenüberliegenden Leo-Center aber auch Bäume, Tische im Freien und Warenauslagen der Händler für neue Aufenthaltsqualität sorgen.

Wie berichtet, saniert der Bund für 400 000 Euro den Fahrbahnbelag der B 295, bevor die Stadtdurchfahrt nach Eröffnung des Westanschlusses keine Kreisstraße mehr sein wird. Überraschend schnell will die Stadtverwaltung nun mit der Sanierung auch die Neugestaltung der Neuen Stadtmitte angehen - mit einem Anteil von 65000 Euro: Wie vor Römergalerie und dem Geschäftshaus an der Leonberger Straße sollen vor allem Fußgänger deutlich mehr Platz und Aufenthaltsqualität erhalten. Mit dem Abriss der Mittelbarriere vor dem Leo-Center und dem Verzicht auf eine Linksabbiegespur (vom Norden zu den Liefereingängen des Leo-Centers) nehmen die Planer 4,50 Meter Straßenbreite weg. Mit dem Westanschluss würde die Anlieferung für das Leo-Center verstärkt via Brennerstraße und nicht mehr über die neue Stadtmitte erfolgen.

Mit einem Abriss der Hochbeete entstehen Flächen von bis zu zehn Meter Breite auf beiden Seiten. "So haben nun weder Fußgänger noch Radfahrer etwas davon", urteilte Bernd Murschel im Gemeinderat. Seine Fraktionskollegin Gudrun Sacher verwies auf das Metron-Gutachten: Schweizer Fachplaner hatten empfohlen, mit einem durchgehenden Radstreifen in der Stadtmitte das Herzstück für ein Radwegenetz zu schaffen - und damit auch den Anteil von Radlern unter allen Verkehrsteilnehmern zu erhöhen.

"Es ist für ungeübte Radfahrer viel zu gefährlich an dieser viel befahrenen Stelle", sagte der FDP-Verkehrsexperte Dieter Maurmaier. Auch die SPD-Gemeinderäte unterstützen den Stadtentwurf: "Der Gewinner ist eindeutig der Fußgänger. Es gibt Bereiche in der Stadt, die sind nicht geeignet für die exemplarische Einführung des Radverkehrs. Es ist schön, dass der Neuköllner Platz endlich ein Platz wird", sagten Wolfgang Schönleber und Christa Weiß.

Auch die Baubürgermeisterin Inge Horn betonte: "Wir haben nichts gegen Radfahrer." Die entstehenden Mischverkehrsflächen seien breit genug, damit sowohl Fußgänger wie auch Radfahrer Platz hätten. Jeweils ein Radstreifen von 1,75 Meter Breite auf die Straße zu markieren, dafür reiche jedoch der Platz nicht aus - und jene autofreien Flächen wären dann wieder deutlich schmaler.

Wie nun konkret der Platz gestaltet werden soll, wird sich in den nächsten Monaten entscheiden. Hier soll es in Absprache mit den Eigentümern, denen die Hälfte der Fläche gehört, eine genaue Planung geben.

Mit der Asphaltsanierung werden aber die Bordsteine gesetzt, damit ist die neue Platzverteilung festgelegt. "Es wird dann schon einige Zeit ein Provisorium geben, wir werden vielleicht eine Reihe Betonplatten entlang der Straße verlegen", sagt Stadtplaner Daniel Fluhrer auf Nachfrage. "Es macht keinen Sinn, jetzt die Chance zu verpassen und in einem halben Jahr alles neu aufzureißen."

Die Grünen sehen hingegen mit dem jetzigen Beschluss das Thema "Radwegenetz in Leonberg" vom Tisch - und nicht nur das: "Die Metron-Gutachter haben immer bestätigt, dass Radfahren nur dann attraktiv ist, wenn es durchgehende Strecken gibt. Der Rückbau der Brennerstraße mit einem Radstreifen wird wohl das nächste sein, was gekippt wird", unterstellte Gudrun Sach.