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Jeden Tag Rad fahren: Sonntags zum Vergnügen, an den Werktagen zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen!

von Eberhard Schmalzried

Jetzt zum Beginn der Radsaison werden die Bürgerinnen und Bürger wieder von allen möglichen Einrichtungen und Behörden als Rad fahrende Wesen entdeckt. Darüber freuen wir uns, denn Radfahren hält fit und ist gesund, Fahrräder brauchen wenig Platz, sie sind leise und stinken nicht. 
Die Geschäftsstelle Umweltschutz der Stadt Leonberg etwa lädt am Sonntag, 17. Juni zur Eröffnung des "Glemsmühlenwegs ein". Der neue Rad- und Wanderweg führt durch das reizvolle Glemstal mit seinen zahlreichen sehenswerten Mühlen von Leonberg bis Unterrixingen. Wir von der GABL finden das Projekt lobenswert und hoffen, es findet viele Freunde.
Auch das LEO-Center will da nicht zurückstehen. Am Sonntag, den 1. Juli findet die diesjährige "Tour de Natur" statt. Mit viel Sorgfalt hat man eine ausgesprochen schöne und familienfreundliche Radstrecke ausgesucht und für prominente Teilnehmer wird eine sogenannte "Promi-Gruppe" gebildet. Wir wünschen der Veranstaltung einen regen Zuspruch, viel Erfolg und gutes Wetter.
Natürlich kam da die Deutschlandtour der Radprofis gerade recht nach Leonberg, auch wenn der Besuch - zufällig an einem Sonntag - nur ein paar Sekunden dauerte. Jetzt packte sogar den OB das Radfieber. Zwar setzte er sich nicht selbst aufs Rennrad aber "nachdrücklich für einen Prämiensprint" vor der Haustüre der Leonberger Bausparkasse ein. Er hat dafür, wie er sagt, bei der Leo-Bau "gleich ein offenes Ohr gefunden" - Tue Gutes und rede darüber! - und wie es sich gehört war der Radfahrverein "Schwalbe" mit von der Partie. 
Alle diese Veranstaltungen können jedoch nicht davon ablenken, dass das Radfahren in Leonberg nach wie vor unattraktiv ist und an vielen Stellen ausgesprochen gefährlich. Die meisten Radwege in der Stadt sind zu schmal und nicht wenige enden unvermittelt an einer Straßenkreuzung. Noch immer gibt es kombinierte Rad- und Fußwege, auf denen Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern vorprogrammiert sind. Fahrräder sind Fahrzeuge und gehören auf die Straße oder auf eigene Wege. 
Wer sich mit dem Rad in der Stadt bewegt, muss häufig Umwege in Kauf nehmen, Treppen und Schranken versperren ihm den Weg und die Beschilderung lässt sehr zu wünschen übrig.
Gemeinsame Ausfahrten an Sonn- und Feiertagen machen Spaß und sollen sein. Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat müssen aber endlich lernen, dass das Radfahren nicht in erster Linie ein Freizeitspaß ist, sondern eine Möglichkeit, sich innerhalb der Stadt umweltfreundlich und preiswert zu bewegen. Radfahrer wollen jeden Tag Rad fahren, sonntags zum Vergnügen, an Werktagen zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen! Wenn Leonberg eine radfahrerfreundliche Stadt werden will, hilft nur ein konsequentes und zielbewusstes Programm zur Förderung des Radfahrens. 

 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom Juni 2001