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Fahrverbote, Westanschluss und mehr S-Bahnen
 
Regierungspräsidium Stuttgart hat Luftreinhalte- und Aktionsplan für Leonberg fertig gestellt und in Kraft gesetzt
 
Leonberg. In Leonberg herrscht dicke Luft. Um die Belastung mit Feinstaub und Stickoxiden in den Griff zu bekommen, muss ein Luftreinhalte- und Aktionsplan her. Das Regierungspräsidium hat nun ein 370 Seiten starkes Planwerk vollendet. Seit gestern ist es rechtskräftig.

Von Arnold Einholz

Für alte Autos soll demnach ein Fahrverbot gelten, der öffentliche Personennahverkehr muss gefördert und der Autobahnanschluss Leonberg-West zügig gebaut werden. Das sind die drei wichtigsten Eckpunkte des gestern vorgelegten Luftreinhalte- und Aktionsplans für den Bereich Leonberg.

Das Regierungspräsidium Stuttgart hat nun mit diesem Werk für Leonberg die sechste Auflage geliefert, mit der die Schadstoffbelastungen von Feinstaub und Stickstoffdioxid im Regierungsbezirk gesenkt werden sollen. Der zunächst nur für Stickstoffdioxid vorgesehene Luftreinhalteplan musste um den Aktionsplan erweitert werden, nachdem in der Grabenstraße im ersten Halbjahr erhebliche Belastungen durch Feinstaub gemessen worden waren. Hier ist das Limit von 35 Tagen, an denen die Grenzwerte überschritten werden können, bald erreicht.

Eine des insgesamt 23 beschriebenen Maßnahmen betrifft ein generelles Fahrverbot im Stadtgebiet Leonberg: Ab 1. Juli 2007 müssen Autos der Schadstoffgruppe 1 einen Bogen um die Stadt machen. Ab Jahresbeginn 2012 dürfen auch Kraftfahrzeuge der Schadstoffgruppe 2 nicht mehr durch Leonberg fahren. Diese Fahrverbote für Fahrzeuge mit hohen Schadstoffemissionen wurden an die im Mai beschlossene Kennzeichnungsverordnung angepasst. Danach gehören zur ersten Gruppe Dieselfahrzeuge, die in die Euronorm 1 oder schlechter eingruppiert wurden, sowie Benziner ohne geregelten Katalysator. Zur Schadstoffgruppe 2 zählen Dieselfahrzeuge der Euronorm 2. Falls nachgerüstete Partikelfilter den Ruß hemmen, können Dieselfahrzeuge auch höher eingestuft werden. Das ursprünglich im Entwurf vorgesehene Durchfahrtsverbot für Lastwagen über 3,5 Tonnen wurde in den neuen Plan nicht mehr aufgenommen. Dagegen heißt es in dem Planwerk, dem öffentlichen Personennahverkehr müsse größeres Augenmerk geschenkt werden, um die Schadstoffbelastung zu reduzieren.

Eine Umweltfahrkarte im Gebiet des Verkehrsverbundes Stuttgart (VVS) sollte eingeführt und der Viertelstundentakt im S-Bahn-Netz in den Abend hinein verlängert werden, lautet die Forderung. In den Spitzenzeiten morgens sollten längere Züge eingesetzt werden, empfiehlt die Behörde genauso wie den Ausbau des S-Bahn-Netzes. Daneben sollte die Busbeschleunigung in Leonberg verbessert werden in Verbindung mit einer grünen Welle im Bereich der Grabenstraße.

Darüber hinaus sieht das Regierungspräsidium mit dem neuen Westanschluss an der A 8 eine gute Chance, die Grabenstraße täglich um etwa 6000 Autos zu entlasten. Die Experten erwarten hierdurch eine Senkung der Feinstaubbelastung um zwölf Prozent.

Aber auch auf zahlreiche andere Details geht das Planwerk aus Stuttgart ein. Da werden Partikelfilter für die Busflotte und den städtischen Fuhrpark gefordert. Dezidiert fordert der Plan, dass der Anteil des Radverkehrs in Leonberg zu erhöhen sei. Zudem sollte das städtische Verkehrsmanagement optimiert werden.

Aus dem Plan herausgenommen worden sind dagegen neben dem Lastwagen-Durchfahrtsverbot auch die von der Stadt Leonberg vorgeschlagene Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn. Weiter gehende Beschränkungen beeinträchtigten die Attraktivität der Autobahnen und wären somit kontraproduktiv, heißt es.

"Jeder Bürger kann dazu beitragen, die Luftqualität zu verbessern", sagte Udo Andriof gestern. So solle sich jeder Autofahrer überlegen, ob er allein zur Arbeit fahren müsse oder gar zu Fuß gehen oder das Fahrrad benützen könne. Zudem könnte durch die Benutzung von Bus und Bahn die Schadstoffbelastung effektiv gesenkt werden.

Das Planwerk kann auf der Homepage des Regierungspräsidiums unter http://www.rp-stuttgart.de eingesehen werden.