ZURÜCK

 

Fahrrad gratis in Bahn und Bus transportieren

BÖBLINGEN - Wer Bahn und Bus nutzt, sein Fahrrad aber nicht missen möchte, wird sich freuen: In einer Woche startet das Land Baden-Württemberg gemeinsam mit vier Verkehrsverbünden ein Projekt, nach dem in den folgenden Monaten die Mitnahme des Rades nichts kosten soll.

Von Franziska Kleiner

Was als Modellversuch über mehrere Monate angelegt ist, begann vor zwei Jahren auf einer Veranstaltung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Ulrich Müller (CDU), Umweltminister des Landes, versprach, dem Wunsch der Fahrradfahrer möglichst nachzukommen, Fahrräder in öffentlichen Verkehrsmitteln kostenlos transportieren zu können. Bis heute muss dafür entweder der Kinderfahrpreis, so im Verkehrsverbund Stuttgart (VVS), oder 1,50 Euro wie im Verkehrsverbund Pforzheim-Enzkreis (VPE) gelöst werden.

Auch wenn die Tarifverbünde sich prinzipiell von Anfang an für das Projekt engagieren wollten, war doch ungeklärt, wie schließlich der Ausfall der Einnahmen gedeckt werden könnte. Immerhin werden im Verkehrsverbund Stuttgart rund 400 000 Fahrräder pro Jahr transportiert, sagt Pressesprecher Wilfried Vilz. Er rechnet mit 450 000 Euro im Jahr, die nun das Land künftig tragen muss, sollte der Modellversuch erfolgreich abgeschlossen werden und anschließend in die bestehenden Tarifstrukturen dauerhaft eingebunden werden. Mit weit geringeren Beträgen - 7500 Euro - rechnet Axel Hofsäß vom Verkehrsverbund Pforzheim-Enzkreis. 5000 Fahrräder werden im Enzkreis jährlich in Bahn und Bus transportiert, so der Prokurist. "Pforzheim ist von seiner Topografie her keine Fahrradstadt'', erläutert er.

Freiwillig beteilige man sich an dem Modellversuch, betont Hofsäß. Doch es sollten im Verbund auch die selben Tarifbedingungen geschaffen werden, wie sie in den angrenzenden Verbünden VVS und Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) herrschen. Schließlich fahre etwa die Stadtbahn von Böblingen über Pforzheim nach Karlsruhe, so Hofsäß. 750 000 Euro hat das Land für die insgesamt 17 Verbünde in Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt. Neben VVS, KVV, VPE ist auch der Heilbronner Verkehrsverbund an dem Projekt über die Sommermonate beteiligt. Eine Auswertung erfolgt im Herbst, so die Planung. Während die Verkehrsverbünde , ob VPE oder VVS, die Aktion begrüßen, weiß man beim Umweltministerium, dass bei erfolgreichem Abschluss das Land auch künftig in die Pflicht genommen wird, um für die Einnahmeausfälle aufzukommen, so Sprecherin Michaela Preuß. Hintergrund der Aktion ist der Generalverkehrsplan des Landes, der 1995 entwickelt wurde. Darin, erläutert Preuß, sprach man sich für ein "fahrradfreundliches Land'' aus. Dazu gehört ein Radwegekonzept genauso wie die Überlegung, immer mehr Menschen weg von der Straße zu holen und für die Bahn zu begeistern.