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Elf Minigaragen für Fahrräder am Hauptbahnhof

Die Angst vorm Fahrraddieb fährt bei den Besitzern hochwertiger Räder immer mit. Leichten Herzens stellt in der Stadt keiner sein Rad ab. Zumindest am Hauptbahnhof könnte sich das ändern. Am 8. April gehen dort elf abschließbare Abstellboxen in Betrieb.

VON JOSEF SCHUNDER

Stuttgarts erste Fahrradboxen werden in der Nähe des Bahnhofsnordausgangs von Baubürgermeister Matthias Hahn ihrer Bestimmung übergeben werden. Rund 900 Euro wird jede kosten - ohne die Aufstellung. Claus Köhnlein, Radverkehrsexperte der Stadtverwaltung, und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) versprechen sich aber großen Nutzen davon.

In solchen Boxen, erklärt der VCD, könne man nicht nur sein Fahrrad vor den Unbilden der Witterung, vor Dieben und vor Vandalen in Sicherheit bringen, sondern auch die Fahrradkluft und den Helm sowie Gepäckstücke. 50 Euro soll die Miete pro Jahr kosten, fünf Euro im Monat. Mancherorts würden dafür, wie in Böblingen, fünfeinhalb Euro fällig, berichtet der VCD, mancherorts sei der Service, wie in Vaihingen/Enz aber auch umsonst. Weil beim Geldbeutel für viele Menschen der Spaß schnell aufhört, ist Claus Köhnlein denn auch gespannt, wie die Boxen akzeptiert werden.

Das wird auch ausschlaggebend dafür sein, wie zügig weitere dieser öffentlichen Fahrradgaragen angepeilt werden. Der VCD hat schon Wünsche: An S-Bahn-Stationen wie in Zuffenhausen, Feuerbach, Bad Cannstatt und Vaihingen (sowohl am Bahnhof als auch auf dem Unigelände am Pfaffenwaldring) könne man sich solche Boxen vorstellen, aber auch an Stadtbahnstationen wie bei der Garbe in Plieningen, beim Löwen-Markt in Weilimdorf und beim Messegelände auf dem Killesberg - allesamt Wunschstandorte, die auch Köhnlein und dem im Januar ins Leben gerufenen runden Tisch in Sachen Radverkehr vertraut sind. An einigen dieser Anlagen unterhalte die Stadt schon überdachte Abstellanlagen, sagt Köhnlein.

Eine stark frequentierte Anlage besteht beim Bahnhof in Möhringen - und sogar dort gibt es Anzeichen, dass die Akzeptanz mit der Höhe der Gebühr steht und fällt. "Wir sollten mit den elf Boxen im Bereich Kurt-Georg-Kiesinger-Platz und Arnulf-Klett-Platz zunächst einmal den Bedarf ausloten'', sagt Köhnlein. Die Finanzierung weiterer Boxen ist sowieso unsicher. Für die Anlage am Hauptbahnhof hat die Stadt noch Zuschüsse vom Land Baden-Württemberg erhalten. Doch inzwischen sei das entsprechende Förderprogramm des Landes ausgelaufen, sagt Köhnlein bedauernd. Wie die Bedürfnisse des Radverkehrs insgesamt im geplanten Doppelhaushalt 2006/2007 der Stadt befriedigt werden, steht auch noch in den Sternen. Die Stadtkämmerei wird im Sommer am Entwurf feilen. OB Wolfgang Schuster hat bei der Beantwortung einer CDU-Anfrage allerdings schon erklärt, dass man das Netz der Hauptradwege in Stuttgart ausbauen wolle. In diesem Netz klafften immer noch erhebliche Lücken, obwohl man sich dieser Magistralen vorrangig angenommen habe. Das Ergänzungsradwegenetz dazwischen solle aber nicht vernachlässigt werden.

Die Bemühungen um einen höheren Radverkehrsanteil in der Landeshauptstadt, wo man gegenwärtig bei sieben Prozent liegt, gehen also weiter. Mit der von den Umweltverbänden und dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) geforderten Anhebung des Radwegeetats aufs 25fache ist aber nicht zu rechnen.