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Die Rücktrittbremse ist ein seltenes Relikt

LEONBERG - In langen Reihen standen die Fahrräder bei der RadL-Fahrradbörse vor der Leonberger Stadthalle und warteten auf Abnehmer. Und die ließen am Samstag nicht lange auf sich warten. Viele Fahrradfreunde haben die Möglichkeit genutzt, günstig an einen gebrauchten Drahtesel zu kommen.

Von Clemens Knorpp

Kinderfahrräder, Trekkingräder, Dreiräder: Das Angebot ist groß. 133 Zweiräder stehen auf dem Bürgerplatz in der Sonne. Kritisch mustern die Interessenten die angebotene Ware. Von zehn Euro bis 500 Euro reiche die Preisspanne, erzählt Stefan Güth, einer der Organisatoren der RadL (Radel aktiv durch Leonberg)-Initiative. 79 Fahrräder seien verkauft worden, sagte Güth. Von den 4000 Euro Umsatz gingen 400 Euro an den Bund Leonberg, war er zufrieden.

In dem mit rot-weißen Bändern abgesperrten Bereich vor der Leonberger Stadthalle ist auch etwas Platz für eine kleine Probefahrt. "Ich muss mich auf dem Rad wohl fühlen, sonst nehme ich es nicht'', meint Annika Stuhlfauth. Strahlend sitzt die Elfjährige auf dem "neuen'' Mountainbike. Ihr Vater ist auch zufrieden, immerhin konnte er den Preis um ein Viertel herunterhandeln. "Die Angebote sind auch so schon günstig, aber das Handeln gehört dazu'', hat Irmgard Meurer von der RadL-Initiative beobachtet.

Der sechsjährige Florian blickt ein bisschen enttäuscht, denn er muss noch ein Jahr mit seinem alten Fahrrad vorlieb nehmen. Seine Mutter, Heike Schüle, hat für sich selbst ebenfalls kein passendes Zweirad gefunden. Das Angebot an Gebrauchträdern vergleicht sie mit neuen günstigen Rädern. Sie hat sich am Samstag ein schönes blaues Dreirad für ihre kleine Tochter gesichert.

Sicher unterwegs zu sein sei für Kinder auf den bestehenden Radwegen nicht überall möglich, findet Günter Klein. "Kindersichere Radwege wären eine große Verbesserung'', wünscht sich der Höfinger. Seine fünfjährige Tochter Nele dreht stolz ein paar Runden auf dem neuen Kinderrad.

Immer wieder fallen aber auch Räder um. Mancher der angebotenen Drahtesel hatte schon vorher den einen oder anderen Kratzer. "Die Leute achten auf den Preis und das Aussehen'', stellt Andreas Hertel fest. Er verkauft und kauft öfters auf Fahrradbörsen wie in Leonberg und achtet auf den technischen Zustand der Angebote. "Ausgeleierte Achsen oder verschlissene Gangschaltungen können hinterher teuer werden'', denkt er an die möglichen Folgekosten. Nicht jedes billige Angebot sei auch günstig. Kleine Radtouren mit Freundinnen plant Ursula Ness mit ihrem neuen alten Damenrad. Sie ist froh, dass sie noch eines mit Rücktrittbremse erwerben konnte, die sie von früher gewohnt ist - ein versierter Radfachhändler kann die jedoch auch an einem neuen Rad einbauen.