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Die Börse lädt zum Radeln ein

LEONBERG - Der Frühling ist da, und ein Blick in den Radkeller zeigt: Schon wieder sind die Fahrräder für die Kinder zu klein. Wohin jetzt mit den alten Drahteseln? Und woher auf die Schnelle ein paar neue finden? Da kam die Fahrradbörse des Vereins RadL am Samstag recht. Und sie diente zudem einem guten Zweck.

Von Thorsten Fuchshuber

Das Herrenrad, für das sich Elfriede Retzbach interessiert, hat seine besten Tage schon gesehen. Aber für 25 Euro? Da kann man doch nicht meckern. Von Stefan Güth lässt sie sich deshalb beraten, ob das Rad überhaupt noch funktionstüchtig ist. "Ich will es für meinen Sohn in Darmstadt kaufen'', erzählt Elfriede Retzbach, "sein eigenes wurde vor kurzem gestohlen. Und jetzt braucht er unbedingt wieder ein Fahrrad für die Stadt.'' Für diesen Zweck ist das etwas unansehnliche "deutsche Markenrad'', wie Güth lobend erwähnt, genau richtig. Doch ein paar Euro müsse ihr Sohn wohl noch investieren.

Stefan Güth ist Mitorganisator der Fahrradbörse, die zum fünften Mal auf den Bürgerplatz bei der Stadthalle lockte. Initiiert wurde die Aktion von RadL - "Radel aktiv durch die Stadt'', einer Initiative des Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund), des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs und des Naturschutzbundes im Rahmen der Lokalen Agenda 21. "Zehn Prozent von dem Verkaufserlös gehen an den Bund'', erklärt Güth. Wer sein Fahrrad auf der Börse zum Verkauf anbieten will, muss sich damit einverstanden erklären. Die Kaufinteressierten kümmert das wenig. "Das wusste ich gar nicht'', sagt Esther Schmalzried, die sich für ihre drei Kinder erfolgreich nach Rädern umgeschaut hat, "aber ich finde die Spendenaktion eine gute Sache''.

"Der Bund wird mit dem Geld verschiedene Umweltaktivitäten in Leonberg vorantreiben'', sagt Stefan Güth. Doch auch seine RadL-Initiative lässt es bei der Börse nicht bewenden. Man wolle vor allem ein alltagstaugliches Netz an Radverkehrsanlagen haben, "und wir haben in dieser Hinsicht bei der Stadt auch schon einiges erreicht''.

Dort werden er und seine Mitstreiter als Radverkehrsexperten anerkannt. "Die Stadt bezieht uns bei neuen Bauvorhaben mit ein'', bilanziert Güth bisherige Erfolge. Und er blickt zuversichtlich in die Zukunft: "Bislang war das alles nur Stückwerk, aber jetzt verbessert sich die Situation.''

Doch an diesem Samstag dreht sich alles um das Fahrrad selbst. Schließlich hoffen die Veranstalter, dass die Börsenbesucher die Räder nicht nur kaufen, sondern sie auch benutzen und das Auto öfter mal stehen lassen. Bis zu 85 Prozent der Räder werden in der Regel verkauft, sagt Carl Friedrich vom Naturschutzbund. Und an diesem Samstag wechseln über die Hälfte der etwa 120 angebotenen Mountainbikes und anderen Modelle schon in der ersten Stunde den Besitzer. Bei Preisen zwischen fünf und 650 Euro ist das auch kein Wunder - da ist für jeden etwas dabei.

Elfriede Retzbach hat sich mittlerweile zum Kauf des "deutschen Markenrads'' entschlossen. Ob sie selbst damit zu ihrem Sohn nach Darmstadt radeln wird, verrät sie allerdings lieber nicht.