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Breslauer Straße bleibt der Zankapfel
 
Verein Sicherer Schulweg fordert erneut Tempo 30 - Stadtverwaltung dagegen - Neue Drückampel in Höfingen
 
Eltingen. Seit Jahren schwelt der Konflikt um die Verkehrssicherheit in der Breslauer Straße. Beim Treffen des Vereins

Sicherer Schulweg ist die Debatte wieder aufgeflammt. Die Initiative fordert Tempo 30. Die Stadtverwaltung sowie die Stuttgarter Straßenbahnen sind dagegen.

Von Daniel Renkonen

Das Verkehrsberuhigungskonzept der Stadt Leonberg ist seinen Namen nicht wert - darin sind sich die Mitglieder des Vereins Sicherer Schulweg sowie der RadL-Gruppe der Agenda 21 einig. Beide Seiten wollen künftig enger zusammenarbeiten, um die Stolpersteine für Fußgänger und Radfahrer aus dem Weg zu räumen. Und da gibt es nach Ansicht der Ehrenamtlichen immer noch genügend.

Zum Beispiel in der Breslauer Straße im Wohngebiet Ramtel. Hildrun Schlicke, Vorsitzende des Vereins Sicherer Schulweg, versteht bis heute nicht, "warum diese Straße insbesondere für unsere Kinder nicht endlich sicherer gemacht wird" wie sie im Eltinger Hotel Kirchner bei der Mitgliederversammlung des Vereins am Montag sagte. Nach Ansicht der Initiative wird in der Breslauer Straße nicht nur zu schnell gefahren, sondern die Gehwege sind obendrein zu schmal. Auch Radfahrer fühlen sich auf der mitunter gefährlichen Durchgangsstraße nicht sicher.

Rolf Kindler stand als Leiter des städtischen Ordnungsamtes den Vereinsmitgliedern am Montag Rede und Antwort. An der Haltung der Stadt ließ er keinen Zweifel. "Wir haben uns mit dem Regierungspräsidium geeinigt, dass in der Breslauer Straße weiter Tempo 50 gilt." Das habe mehrere Gründe, "die Sie jetzt einfach mal zur Kenntnis nehmen sollten", legte Kindler seinen kritischen Zuhörern ans Herz. Erstens haben die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) laut Kindler damit gedroht, dass sie ihre Busse bei einer Tempobeschränkung nicht mehr durch die Breslauer Straße fahren lassen. Die Linienbusse könnten ihren Fahrplan nicht einhalten, befürchtet das Unternehmen.

Dazu sorgt sich die Stadtverwaltung um die Händler in der Straße, die auf die durchfahrende Kundschaft angewiesen sind. Besonders dieses Argument leuchtet Schlicke überhaupt nicht ein. "Es macht doch für einen Händler keinen Unterschied, ob mit Tempo 30 oder 50 durch die Straße gefahren wird." Kindler reagierte hierauf etwas ungehalten: "Frau Schlicke, ich habe volles Verständnis für Ihre Position. Nur irgendwann sollte Ihr Verein die Situation so hinnehmen wie sie ist." Dieser Vorschlag stieß im Raum erwartungsgemäß auf wenig Gegenliebe, weil sich der Verein Sicherer Schulweg dem Präventionsgedanken verpflichtet fühlt.

Immerhin kann der Verein in Höfingen einen Erfolg vermelden. Dort wird die Stadt die "Alles-Rot"-Ampel an der Kreuzung Pforzheimer Straße/Albert Schweitzer umstellen. Etwa ab April, so Kindler, wird auf eine neue Drückampel umgestellt. Das heißt: Für Autofahrer gilt dann nicht mehr die grüne Welle, sondern die Fußgänger bestimmen die Farbe des Ampelsignals. Diese Maßnahme erhöht nach Ansicht aller Beteiligten die Verkehrssicherheit für querende Fußgänger, darunter viele Kinder. Die Stadt will auch der RadL-Gruppe der Lokalen Agenda entgegenkommen. So soll der Arbeitskreis Radverkehr künftig wieder tagen. Das sicherte der Ordnungsamtsleiter den Anwesenden um Gruppensprecher Stefan Güth zu. Güth zählt wie Hildrun Schlicke zu den Kritikern des städtischen Verkehrsberuhigungskonzeptes.

Er vermisst Maßnahmen, die "den Autoverkehr entschleunigen". Dazu zähle auch die Hindenburgstraße in Eltingen. Durch ihren breiten Ausbau verleite sie Autofahrer zum Rasen. "Ein Tempo-30-Schild genügt da nicht. Die Straße muss so umgestaltet werden, dass sie dem Autofahrer signalisiert, dass er hier nicht schnell fahren darf", ist Schlicke überzeugt. Zusammen mit der RadL-Gruppe will ihr Verein nun auf einen autofreien Sonntag in Leonberg hinarbeiten. Dieser Aktionstag war schon einmal geplant, nur er scheiterte am Veto einiger Mitglieder im Agenda-Forum, erinnerten die Anwesenden.