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Rostige Drahtesel landen in der Schrottpresse

RadL-Gruppe und städtisches Ordnungsamt räumen auf dem Parkplatz für Fahrräder am Leonberger Bahnhof auf

 

Leonberg. Radfahren ist sportlich, und man bezahlt keine Parkgebühr dafür - das ist einer der Sprüche, mit denen die Leonberger Agendagruppe "RadL" auf ihrer Homepage für sich und das Radfahren wirbt. Mancher nimmt zumindest den zweiten Teil des Spruchs gar zu wörtlich.

Von Sybille Schurr

Fahrräder gammeln vor sich hin am (kostenlosen) Fahrradparkplatz am Leonberger Bahnhof. "Wir wollen, dass ein Fahrradparkplatz sauber und attraktiv ist", sagt Irmgard Meurer, stellvertretende Sprecherin der Gruppe.

"Dauerparker" am Bahnhof sollen verschwinden, so das Ziel einer gemeinsamen Aktion der RadL-Gruppe und des Amts für öffentliche Ordnung. Seit gestern sind die Schrotträder mit einem rosaroten Schreiben versehen, wetterfest eingeschweißt.

Ein amtliches Schreiben. "Sehr geehrter Verkehrsteilnehmer, heute wurde festgestellt, dass der Zustand Ihres Fahrrads darauf schließen lässt, dass es von Ihnen nicht mehr benutzt wird", teilt das Ordnungsamt dem Fahrradbesitzer mit, verbunden mit der Aufforderung, das Fahrrad bis zum 7. Juni zu entfernen. Bleibt das Rad weiterhin stehen, wird es von Amts wegen entfernt. "Es wird verschrottet", sagt Ralf Sperandio, Mitarbeiter beim Städtischen Ordnungsamt.

Alles andere, was noch einigermaßen nach Fahrrad aussieht, kommt bei der jährlichen Fundsachenversteigerung unter den Hammer. "Da gibt es oft bis zu 50 Fahrräder", weiß Sperandio. Auch Schrotträder sind gefragt, unter dem Gesichtspunkt "Aus zwei oder drei mach ein fahrtaugliches Radl". Fahrräder, die bis zum 7. Juni nicht abgeholt werden, sollen "sicherheitshalber" noch weitere sechs Monate im alten Ratheus verwahrt werden. Könnte ja sein, dass ein vergesslicher Besitzer sich doch noch auf seinen Drahtesel besinnt.

Die Akton der RadL-Gruppe findet der Mitarbeiter des Ordnungsamt "sehr gut". Schon im Februar gab es einen ersten Vororttermin. "Wir haben damals alles, was so aussah, als ob es seit Längerem nicht mehr bewegt wird, mit einer Banderole gekennzeichnet", sagt Irmgard Meurer. Jetzt soll es ernst werden. Neun Fahrräder sind vom Ordnungsamt mit der offiziellen "Räumungsmitteilung" versehen worden. "Wenn man den Parkplatz abends kontrolliert, stehen nur noch die Rostlauben da", sagt Sperandio. Und die sind in der Tat nicht mehr radltauglich.

Rund 120 Fahrräder können abgestellt werden am Leonberger Bahnhof. Der Radparkplatz ist überdacht und mit "durchaus guten Fahrradständern" versehen, sagen die RadL-Fachleute. Die Ständer bieten eine gewisse Sicherheit, denn das Rad kann am Rahmen angeschlossen werden. Trotz allem keine hundertprozentige Sicherheit gegen Langfinger. Die meisten der ÖPNV-Benutzer haben allem Anschein nach ihr ramponiertes Zweitrad auf dem öffentlichen Parkplatz abgestellt. Das teure Rad bleibt in der Garage. Die Mitarbeiter des Amtes für öffentliche Ordnung haben zwar auch den Fahrradparkplatz bei ihren Kontrollgängen im Auge, dennoch gilt "Parken auf eigenes Risiko".