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Weg frei für kostenlose Fahrradmitnahme
 
Land bezuschusst Transport in Nahverkehrszügen - VVS braucht zuerst Erhebung
 
Stuttgart - In Baden-Württemberg sollen Fahrräder künftig in Nahverkehrszügen kostenlos mitgenommen werden dürfen. Das Land kündigte an, den Verkehrsverbünden die dadurch wegfallenden Einnahmen zu ersetzen.

VON FRANK SCHWAIBOLD

Thomas Baur vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) jubelt: "Das ist ein Durchbruch", hofft der ADFC-Landesvorsitzende. Der Fahrradlobbyist will nun alle Verkehrsverbünde und Landkreise anschreiben. "Jetzt muss es schnell an die Umsetzung gehen", lautet sein Appell. Als Termin hat Baur den April oder den Mai im Blick. Denn die nächste Fahrradsaison kommt bestimmt.

Doch ob es so schnell geht, ist die Frage. Bisher können nur in den beiden Verkehrsverbünden Rhein-Neckar und Lörrach sowie im Kreis Schwäbisch Hall die Fahrräder gratis transportiert werden. Dazu kommen einzelne touristisch interessante Strecken wie in Oberschwaben oder im Schwarzwald. Im Herzstück des Nahverkehrs in Baden-Württemberg dagegen, dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS), muss noch fürs Fahrrad bezahlt werden - und zwar, indem die Kunden einen Kinderfahrschein lösen. Gleich viel wie ein Kind kostet übrigens auch die Mitnahme eines Hundes.

Zwar ist man beim VVS grundsätzlich bereit, auf das Angebot des Landes für den kostenlosen Fahrradtransport einzugehen, sagt VVS-Sprecher Wilfried Vilz. Allerdings müsse man "zuerst die Einnahmeausfälle exakt ermitteln". Da die Kinderfahrscheine "für Hunde, Fahrräder und Kinder gelten", wird der VVS nun eigens eine Untersuchung in Auftrag geben, um den Anteil der Räder zu erheben. Somit ist die kostenlose Mitnahme laut Vilz frühestens im Spätsommer oder Herbst möglich. In den Stadtbahnen wird es zudem weiterhin Sperrzeiten für Fahrräder geben. Sprich: In den Hauptverkehrszeiten dürfen werktags, weil die Züge mit Berufspendlern rappelvoll sind, gar keine Räder mitgenommen werden. In den S-Bahnen hingegen wurde die Sperrzeit versuchsweise aufgehoben - und dies soll laut Vilz vorerst auch so bleiben.

Verkehrsminister Ulrich Müller (CDU) geht davon aus, dass die Kosten für die Fahrradbeförderung landesweit rund 750 000 Euro pro Jahr betragen. Eine Kostenerstatung für die Fahrradmitnahme könne dort erfolgen, wo es zwischen Landkreisen und Verbünden mit den jeweils vor Ort tätigen Verkehrsunternehmen bereits Vereinbarungen gibt oder noch solche abgeschlossen werden. Für den Fahrradtransport müssten extra Fahrradwaggons in bestehende Züge integriert werden oder Abteile für Fahrradhalterungen umgerüstet werden. Das Land, so kündigte Müller weiter an, werde nun auch bei Ausschreibungen verstärkt darauf drängen, dass für den Radtransport besser geeignetes Wagenmaterial gekauft wird.