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RadL-Gruppe: Ein durchgängiges Radwegenetz existiert in Leonberg bisher nur auf dem Papier

Möglichst durchgängig, kreuzungsfrei und sicher - so stellen sich die Aktiven der RadL-Gruppe das Radwegenetz in Leonberg vor. Auf über 30 Seiten haben sie ihre Vorschläge zusammengetragen. Doch umgesetzt wurde bisher viel zu wenig.

In der Innenstadt dominiert weiterhin das Auto, vielerorts müssen sich Radler gar zwischen den Fahrzeugen durchzwängen. Fahrradfahren in Leonberg: "Das ist nicht immer vergnügungssteuerpflichtig'', sagt Stefan Güth.

Von Daniel Renkonen

Der Hobby-Radler kennt die Untiefen des städtischen Radwegenetzes, das nicht das hält, was es im offiziellen Radwegeplan (Stand April 1993, Maßstab: 1:10 000) ) suggeriert - nämlich viele direkte Verbindungen. Einige Beispiele: Die stauanfällige Durchgangsachse Feuerbacher-, Graben- und Eltinger Straße ist laut Karte eine "Hauptfahrradroute'' in die Stadt. Die Praxis sieht anders aus. Zu Hauptverkehrszeiten quält sich der Autoverkehr durch Leonberg, und die Fahrradfahrer müssen sich irgendwo zwischendurch quetschen. Sie können zwar verbotenerweise auf die Gehwege ausweichen, nur dort sind Kollisionen mit Fußgängern vorprogrammiert.

Auch der Bereich Römerstraße/Bahnhofstraße ist im Plan als Hauptfahrradroute ausgewiesen. Doch in der Praxis ist das Radeln dort nicht so problemlos möglich, wie es die Stadt vielleicht gerne hätte. Engstellen sind vorprogrammiert, häufige Ausweichmanöver die Folge. "Von einem durchgehenden Netz kann in der Stadtmitte leider noch nicht die Rede sein'', drückt es Irmgard Meurer von der RadL (Rad aktiv durch Leonberg)-Gruppe noch vorsichtig aus. In der Initiative haben sich verschiedene Umwelt- und Fahrradorganisationen zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Mit konkreten Vorschlägen regen sie ein "alltagstaugliches Radwegenetz'' (siehe auch nebenstehender Kasten) für Leonberg und seine einzelnen Stadtteile an. "Wir wollen das Auto gar nicht verteufeln, sondern auch den Radfahrern Gehör verschaffen'', betont Stefan Güth, Sprecher der Gruppe.

Hierfür müssen Güth und seine Mitstreiter noch Überzeugungsarbeit leisten. Mit "Erstaunen'' stellten sie beispielsweise fest, dass bei der Debatte um den Gesamtverkehrsentwicklungsplan das Thema Radverkehr nur auf knapp vier Seiten abgehandelt wurde. "Der Stellenwert des Radfahrens wird offenbar immer noch unterschätzt, weil man es für eine reine Freizeitbeschäftigung hält'', beobachtet Güth. Dabei könne der Radverkehr die Verkehrsbelastung in der Stadt durchaus reduzieren. Denn: Viele Autofahrten finden innerhalb von Leonberg statt. Experten sprechen in diesem Fall vom Ziel-, Quell- und Binnenverkehr. Gäbe es ein attraktives direktes Radwegenetz, würden Autofahrer für ihre Besorgungen öfter auf das Rad umsteigen, so das Kalkül der RadL-Gruppe.

Rückendeckung haben sie von Experten wie der Schweizer Firma Metron erhalten. Das Unternehmen erstellt für die Stadt gerade ein Radwege-Gutachten, dessen Ergebnisse inzwischen im Rathaus vorliegen. Sie sollen jetzt in der Arbeitsgruppe Radverkehr vorgestellt werden. Bereits im Vorfeld hatten die Gutachter angedeutet, dass sie in Leonberg durchaus ein Potenzial für den Radverkehr sehen. Langfristig könne er einen Anteil von gut 14 Prozent am Gesamtverkehr erreichen, so die Prognose. Dafür allerdings müssten die Wege besser miteinander verknüpft werden. "Wir brauchen vor allem direkte Verbindungen, bei denen man nicht ständig die Straßenseiten wechseln muss'', fordert Meurer. Der RadL-Gruppe schwebt ein sternförmiges Netz in der neuen Stadtmitte vor, weil dort die meisten Wege zurückgelegt würden. Sie unterscheide zwischen Haupt- und Nebenachsen. "Im Endeffekt fordern wir nichts anderes, als das, was im Radwegeplan der Stadt schon drin steht'', verdeutlicht Stefan Güth.

Da die Stadtmitte von breiten Straßen durchzogen wird, schlägt die Initiative den Bau so genannter Radfahr- und Schutzstreifen vor. Dies, so argumentieren sie, sei nicht nur kostengünstig, sondern verhindere Kollisionen auf Fußwegen. Die Vorgaben für Radfahr- und Schutzstreifen stehen in der neuen Straßenverkehrsordnung. Ein Radfahrstreifen ist in der Regel pro Richtung 1,85 bis 1,50 Meter (einschließlich Markierung) breit. Die Anforderungen für Schutzstreifen sind etwas strenger. Man darf ihn nur in Innerortsstraßen einführen, auf denen die Verkehrsbelastung innerhalb von 24 Stunden nicht über 10 000 Fahrzeuge steigt. Außerdem muss der Lastwagenanteil bei unter fünf Prozent liegen.

Die RadL-Gruppe hofft, dass einige ihrer Vorschläge schrittweise doch noch umgesetzt werden. Allerdings ist Stefan Güth jetzt schon klar, "dass aus Leonberg wohl nie eine Fahrradstadt wird''.