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Feinstaub
Radfahrer hoffen auf bessere Zeiten
 
Stuttgart - Die Radfahrer im Südwesten erwarten wegen der Feinstaub-Debatte künftig eine deutliche Verbesserung ihrer Verkehrsbedingungen. Während in den Regierungspräsidien im Land Aktionspläne für die Reduzierung der Feinstaubkonzentration in der Luft entstehen, warten die Radfahrer bereits mit der ersten konkreten Aktion auf. Vom 20. Juni bis 27. Juli rufen Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC), die Radsportverbände und die AOK Arbeitnehmer zum Mitmachen an dem bundesweiten Projekt "Mit dem Rad zur Arbeit" auf.

Fünf Wochen lang sollen Arbeitnehmer zum Wohle ihrer eigenen Gesundheit, aber auch zur Entlastung der Umwelt mit dem Rad zur Arbeit fahren. Nach Mitteilung des ADFC vom Freitag fährt in Deutschland nur jeder Zehnte mit dem Fahrrad. In Dänemark sei es jeder Dritte. Die Aktion gibt es in anderen Bundesländern wie Bayern schon länger, Baden-Württemberg beteiligt sich zum ersten Mal.

Laut ADFC wurden 4000 Firmen im Land angeschrieben, sich an der Aktion zu beteiligen. Dabei sei auch auf den Handlungsbedarf in den Betrieben hingewiesen worden. Die Radfahrer bräuchten etwa moderne Abstellanlagen, sichere Radwege, aber auch Duschen, sagte ADFC-Landeschef Thomas Baur. Er forderte eine flächendeckend kostenlose Fahrrad-Mitnahme in Zügen sowie überall eine Beschilderung der Radwege.

"Wenn sich die Situation für die Radfahrer verbessert, verzichten vielleicht mehr Leute auf das Auto und verringern damit auch die Feinstaub-Konzentration in der Luft", sagte Baur. Der bundesweit tätige Verband hat im Südwesten mehr als 14.000 Mitglieder. Baur verlangte von der Regierung, bei dem Neuabschluss von Verträgen auf die kostenlose Fahrrad-Mitnahme zu dringen. "Im Norden des Landes gibt es das überall, im für uns besonders attraktiven Süden herrscht allerdings ein großes Durcheinander." In vielen Zügen müssten Radfahrer für ihre Fahrräder zusätzlich bezahlen.

Aus Sicht der Radfahrer sind mehr als 60 Prozent des täglichen städtischen Autoverkehrs nicht nötig. "Dabei werden Wege zur Arbeit von unter fünf Kilometern Länge zurückgelegt - das wäre ideal für eine Radtour", sagte Baur. Der Anreiz, aufs Fahrrad umzusatteln, fehle allerdings. ADFC und AOK berufen sich auf Erhebungen, nach denen rund 70 Prozent der Arbeitnehmer mit dem Auto und elf Prozent mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen. Der Anteil der Radfahrer liege bei nur knapp neun Prozent. Sechs Prozent der Arbeitnehmer kämen zu Fuß zur Arbeit.

Es müsse deutlich mehr für den Radverkehr im Land getan werden, sagte Baur. Unter der Regierung von Günther Oettinger (CDU) gebe es Anzeichen für eine mögliche Besserung der Situation. Auch künftig sollten jährlich rund 20 Millionen Euro besonders in die Schaffung neuer Radwege an Bundes- und Landstraßen fließen, teilte ein Sprecher des auch für Verkehr zuständigen Innenministeriums mit. Mit den neuen Radwegen werde auch die Beschilderung gewährleistet. Forderungen des ADFC nach einer Ausschilderung bereits vorhandener Radwege seien hingegen Sache der Tourismusförderung und damit nicht in der Zuständigkeit des Ministeriums.

Radfahrer-Organisation in Baden-Württemberg im Internet unter:
http://www.adfc-bw.de