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Geheime Kommandosache

Von Michael Schmidt

Ein Radweg quer durch die Stadt bietet offenbar gewaltigen politischen Sprengstoff, zumindest in Leonberg. Anders lässt es sich nicht erklären, dass ein Gutachten für eine so sinnvolle wie überfällige Radwegverbindung quer durch die Stadt als geheime Verschlusssache in den Schubladen des Rathauses vor sich hin schlummert. Seit bald vier Jahren!

Um es vorwegzunehmen: Es geht hier nicht um ein Wolkenkuckucksheim von fanatischen Radfahrern und erklärten Autogegnern. Sondern um eine kleine Lösung, die wenig mehr kostet als Malerarbeiten auf dem Asphalt der aktuellen Bundesstraße 295, die in zwei Jahren keine Bundesstraße mehr sein wird. Dann liegt es tatsächlich am Leonberger Gemeinderat, was mit der dann dank des Westanschlusses hoffentlich tatsächlich verkehrsberuhigten Stadtpassage passiert.

Es kostet allerdings Rücksichtnahme und Umdenken bei jener Fraktion Autofahrer, für die ein Radfahrer als Hindernis und nicht als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer gilt. Es kostet Umdenken, dass eine bessere Radverbindung in Leonberg tatsächlich zu einem Klimawechsel in der staugeplagten Innenstadt führen könnte. Ohne Zweifel stiege die Lebensqualität, wenn die Bürger, die es können, vom Auto auf das Rad umsattelten. Andere Städte setzen die Spielregel von Angebot und Nachfrage schon lange um: Wenn sich's leichter und schneller strampeln lässt, dann schwingen sich die Menschen lieber aufs preiswerte Fahrrad.

Dass im buckeligen Leonberg ohnehin keiner die Grabenstraße hinaufschnaufen will, ist richtig. Ebenso wie die Tatsache, dass mehr als 80 Prozent der Wohnbevölkerung der Kernstadt weder in der Altstadt, dem Haldengebiet noch der Burghalde wohnen, sondern zwischen sanftem Eltinger Glemstal und Seestraße. Was fehlt, sind neue Wege für  Mobilität. Die beginnt bekanntermaßen im Kopf.