| Die Suche nach neuen Radwegen für Leonberg
Slalom durch Wohngebiete soll ein Ende
haben
Stadtverwaltung hält Experten-Gutachten weiter unter Verschluss -
Gemeinderat will Verbesserungen diskutieren
Leonberg. Eine Arbeitsgruppe des Gemeinderates will das Radfahren in der
Stadt attraktiver machen. Ein entsprechendes Gutachten von
Verkehrsplanern aus der Schweiz weist für eine kostengünstige Lösung
den Weg - im Mai soll erstmals nicht öffentlich getagt werden.
Von Michael Schmidt
Seit bald vier Jahren schlummert ein Gutachten in den Schubladen der
Leonberger Stadtverwaltung vor sich hin. Verkehrsplaner des renommierten
Stadtplanungsbüros Metron aus der Schweiz entwickelten darin eine Lösung
für eine durchgehende Radverbindung auf der Leonberger Hauptachse, der
B 295 von der Altstadt über die neue Stadtmitte bis in den Ezach.
"Radfahrstreifen" lautet die Zauberformel, mit der gerade auf
der viel befahrenen Brenner- und Eltinger Straße die "Koexistenz
der Verkehrsteilnehmenden" angestrebt wird.
Konkret bedeutet dies: Radfahrer sollen einen 1,60 bis 1,25 Meter
breiten Schutzraum auf der Leonberger Stadtautobahn und jeweils
Linksabbiegespuren bekommen. Lediglich die Eltinger Straße auf dem
ehemaligen Seedamm, zwischen Altstadt und Hauptpost, müssten sich
Autofahrer und Radler teilen. Aber selbst hier gibt es von Metron
bereits fein säuberlich gezeichnete Pläne für Straßenmarkierungen,
so dass motorisierte Vierräder und muskelbetriebene Zweiräder über
die B 295 fahren könnten. Der bestechende Vorteil des Konzeptes: Es ist
buchstäblich mit wenigen Pinselstrichen zu realisieren und spart den
Bau von aufwendigen abgetrennten Radwegen. Auf der anderen Seite steht,
dass es gerade am Nadelöhr, dem Leonberger Seedamm, wegen einiger
fehlender Zentimeter Fläche nicht mit der Straßenverkehrsordnung
konform ist - so lauteten vor einigen Monaten noch die Argumente, die
das Metron-Konzept wieder in der Schublade verschwinden ließen.
Nun gibt es einen neuen Anlauf, in dieser Sache weiterzukommen. Von Mai
an will sich das Leonberger Stadtparlament mit der Expertise befassen,
die der Leonberger Kreiszeitung vorliegt - die von der Stadtverwaltung
aber weiter unter Verschluss gehalten wird. "Die
Gemeinderatsgremien haben darüber noch nicht entschieden", so das
Argument der Rathaussprecherin Susanne Widmaier.
Anfang der neunziger Jahre schon einmal wurde im Leonberger Rathaus ein
Radwegeplan ersonnen, der es in sich hat: Auf verschlungenen Pfaden wird
der passionierte Radfahrer heutzutage durch Wohngebiete und Häuserschluchten
geschickt, nur damit er möglichst keine Hauptverkehrsstraßen benutzt.
Das Ergebnis: Viele Radler nehmen die Umwege nicht in Kauf, werfen sich
in das Verkehrsgetümmel der neuen Stadtmitte und treten die vierspurige
Eltinger Straße hinauf Richtung Altstadt. Offiziell müsste der
Velozipedist vom Leocenter zunächst die Römerstraße bis zur Volksbank
hinüberfahren, von dort in die Lindenbergerstraße, über die Steinstraße
und Lamternstraße in die Seestraße, um dann vorsichtig beim
Hirschbrunnenplatz über die B 295 zu wechseln. Doch auch
Gelegenheitsradfahrer schreckt die bestehende, kaum nachvollziehbare
Radwegeführung ab: Vor dem Leo 2000 hört der Radweg abrupt auf, der
geneigte Radler muss als Fußgänger die Straßenseite wechseln - oder
sich dann doch in den (Auto-)Verkehr der neuen Stadtmitte stürzen. Auf
einem nagelneuen Radweg geht es im Anschluss mit Karacho vom Gefälle an
der Berliner Straße geradewegs auf eine gefährliche
Tiefgarageneinfahrt in der Lobensteiner Straße, um wenige Meter weiter
im rechtwinkligen Haken und über Bordsteine dem Radweg nach Eltingen
und ins Glemstal zu folgen.
Angesichts dieser Umstände sprechen Stefan Güth und Irmgard Meurer
mittlerweile mit hörbar gereiztem Unterton, befragt man sie zum Thema:
Die Lokale-Agenda Gruppe RadL (Radel aktiv durch Leonberg) will schon
seit mehr als zehn Jahren "eine Veränderung der Verkehrskultur in
der Stadt", so der ehrenamtlich engagierte Güth. Doch gleicht ihr
Kampf für ein alltagstaugliches Radkonzept dem gegen Windmühlen.
"Seit dreizehn Jahren bewegt sich in dieser Sache eigentlich
nichts", sagt Irmgard Meurer.
Die RadL-Aktiven brachten bereits Ende der neunziger Jahre in die
Planungen um den Generalverkehrsplan die Idee eines "fünfzackigen
Sterns" ein. Die Radler schlugen für die Nord-Süd-Verbindung vom
Eltinger Ortskern über die neue Stadtmitte zum Marktplatz eine
Verbindung vor. Außerdem wollten sie den Bahnhof mit der neuen
Stadtmitte und dem Ramtel verbinden, ein weiterer Abzweig hätte in die
Gartenstadt geführt - allesamt Wege, die auf kürzester Distanz den
normalen Straßen folgen.
Doch das Projekt scheint ebenso gestorben wie der zentrale Dreh- und
Angelpunkt des Verkehrskonzeptes aus dem Jahr 1999: die Sperrung der Römerstraße
zwischen Neuköllner Platz und Robert-Koch-Straße, wo eine Art
Busbahnhof angelegt werden sollte. Doch zumindest in das Thema
Radverkehr an sich kommt nun wieder Schwung. Gemeinderäte sollen
gemeinsam mit Baubürgermeisterin Inge Horn und den Vertretern der
RadL-Gruppe neue Wege für Radfahrer in Leonberg finden - vielleicht
auch altbekannte.
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