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Der Schnittpunkt von vier Naherholungsgebieten soll auch weiterhin ein grüner Garten bleiben

Der Bürgerprotest gegen die Bebauung der Kirschgärten geht weiter. Am Sonntag zogen rund 300 Gerlinger und Leonberger in einem Sternmarsch zum Alten Golfplatz, um bei einem Kirschgärtenfest ihren Unmut deutlich zu machen.

Fünf Minuten vor zwölf auf der Leonberger Heide. In die flirrende Hitze über dem Asphalt der Stuttgarter Straße mischt sich das Geräusch einer sich langsam nähernden Trommel. Vom Engelbergturm her ziehen rund 100 Menschen herüber. Viele tragen Plakate mit sich, "Rettet die Kirschgärten'' steht darauf.

Von Stefan Bolz

Unter ihnen ist auch der Syrer George Sleiman, der mit seiner kleinen Handtrommel den Rhythmus vorgibt. Auch vom Bockberg und vom Gerlinger Heidewinkel kommen die Demonstranten herbei, eine Gruppe Radfahrer hat sich vom Leonberger Marktplatz aus aufgemacht. Ihr gemeinsames Ziel ist die große Wiese zwischen den Kirschbäumen, deren Zukunft so ungewiss ist. Rund 300 Menschen versammeln sich dort in wenigen Minuten, füllen die bereitgestellten Bierbänke, suchen im Schatten der Bäume das Gespräch. "Das sind hier nicht nur ein paar Anwohner, die sich ihre Idylle erhalten wollen, sondern viele unterschiedliche Gruppen aus Leonberg und Gerlingen'', hebt Karl-Heinz Harfst hervor. Der Schulleiter aus Stuttgart, der am Kirschenweg wohnt, ist zum ersten Mal auf einer "Demo''. Er mag nicht einsehen, dass Leonberg sein "Tafelsilber'' verkauft, um Geld in die Kassen zu bekommen. Ziehe man die Kosten für Lärmschutz und Erschließung ab, bleibe nicht mehr viel übrig. "Und Bausünden haben wir in der Stadt doch schon genug'', so Harfst.

Während sich vor dem Getränkeausschank die erste Schlange bildet, fasst Bund-Sprecher Dr. Dietrich Becker noch einmal die Argumente der Bebauungsgegner zusammen. Es könne nicht sein, so Becker, dass die Stadt mit einem einmaligen Geländeverkauf ihren Haushalt saniert. "Was verkaufen wir dann nächstes Jahr?'', mahnte Becker stattdessen strukturelle Veränderungen an. Bei den Kirschgärten gehe es nicht nur um einige Bäume, die nicht gefällt werden sollen. Das Charakteristikum der Leonberger Heide, der weite, offene Blick, gehe verloren. "Achten Sie darauf, wer im Gemeinderat für eine Bebauung stimmt. Und berücksichtigen Sie dies bei Ihrer nächsten Wahl'', rief Becker die Festbesucher auf.

Auch Manfred Schulze, Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Leonberg-Ramtel, sprach sich strikt gegen die Bebauung aus. Leonberg habe genug Immobilien, lautete sein erstes Argument. Da künftig die Bevölkerung eher abnehmen werde, stoße auch die Stadt an eine Grenze des Wachstums. "Grund und Boden sind endlich'', rief Schulze. Und: "Der städtische Grund ist nicht Eigentum der Verwaltung, sondern der Bürger'', sagte Schulze unter dem Applaus der Festgäste.

Zwischen den Reden sorgten Ebbi Grözinger, Sabine Rempp-Durla und George Sleiman immer wieder mit Musik für Abwechslung. Zeit für die Leonberger und Gerlinger, sich in die ausliegenden Unterschriftenlisten einzutragen. Oder sich die Baupläne genau anzusehen, die Gisela Mahler an einigen der Bäume aufgehängt hatte. "Ich bin überrascht, wie groß das Interesse ist'', staunte Mahler über die Menschentrauben, die sich immer wieder vor den Plänen sammelten. Vor allem die Gebäudeschnitte, die zeigen, wie hoch die bis zu sechsstöckig geplanten Häuser in der Landschaft aussehen würden, sorgten für erregte Diskussionen.

Neben der Gebäudehöhe stört Gisela Mahler besonders, dass die Kirschgärten genau im Schnittpunkt der Naherholungsgebiete Engelberg, Leonberger und Gerlinger Heide sowie Bockberg liegen. "Hier wird ein großer, zusammenhängender Grünraum in vier kleine Einheiten zerlegt'', machte Mahler auch im Gespräch mit Wolfgang Schaal deutlich. Der Gemeinderat der Freien Wähler war einer der wenigen Befürworter der Bebauung, die den Weg zum Kirschgärtenfest gefunden hatten.

Wolfgang Schaal sprach sich auch unter den Kirschbäumen für das Projekt aus. "Ich glaube nicht, dass es sich die Stadt Leonberg leisten kann, auf Einnahmen von bis zu sieben Millionen Euro zu verzichten, merkte er an. Natürlich müssten die Ausgaben gesenkt und die Einnahmen gesteigert werden, um den Haushalt dauerhaft ins Lot zu bringen. "Aber uns fehlen am Ende dieses Jahres wohl drei, vielleicht sogar sechs Millionen Euro. Wir brauchen also auch kurzfristig Geld, um handlungsfähig zu bleiben'', sieht Schaal Stadtverwaltung und Gemeinderat in einem Dilemma.

Während Wolfgang Schaal das Gespräch mit den Bebauungsgegnern suchte ("Vielleicht finden wir in der Diskussion miteinander ja eine Lösung, mit der wir leben können''), füllten sich die Unterschriftenlisten rasch. Über 5300 Bürger, so Dr. Dietrich Becker, hätten sich bereits für den Erhalt der Kirschgärten ausgesprochen. Begleitet vom Trommelspiel George Sleimans, standen da mindestens weitere 50 vor den Listen an.

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