ZURÜCK

 

Radler und Fußgänger passen nicht zusammen

Die Vorschläge der Radl-Gruppe finden verstärkt Eingang in die städtische Straßenplanung

Leonberg. "Nicht die Lastwagen machen die Radfahrer platt, sondern die Autofahrer, die im Obi-Kreisverkehr meinen, überholen zu müssen und sie rücksichtslos an die Seite drängen", bringt es Irmgard Meuer auf den Punkt. Sie ist seit zwei Jahren Sprecherin der Agenda-Gruppe Radl.

Von Arnold Einholz

Die überzeugte Radfahrerin nimmt damit die Planer des neuen Kreisverkehrs in Schutz, denn diese seien ganz den Wünschen der Radl-Gruppe nachgekommen. "Es war ein gemeinsamer Fußgänger- und Radfahrweg geplant, doch auf unseren Wunsch hin werden nun die Radfahrer im Kreisverkehr mitgeführt", sagt Irmgard Meuer zufrieden.

Das sei eine langjährige Forderung der Radl-Gruppe, denn Fußgänger und Radfahrer auf einer gemeinsamen Verkehrsfläche zu führen, sei verkehrsplanerisch überholt. Weil sie sich mit sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten fortbewegten, seien Konfliktsituationen programmiert. "Das Problem ist, dass die Leute das nicht gewohnt sind. Weil die Radfahrer früher hier anders geführt wurden, biegen viele noch auf den Gehweg ab", hat Meuer auf den Straßen beim Obi-Kreisel beobachtet. Vielleicht könnte mit einer Markierung die neue Verkehrssituation deutlicher gemacht werden, schlägt sie vor.

Mit Zufriedenheit stellen die Ehrenamtlichen der Radl-Gruppe fest, dass die Belange der Radfahrer zwischenzeitlich bei Planungen allgemein besser berücksichtigt werden. So sei die Radwegekommission entstanden, der Gemeinderäte, Vertreter des Ordnungsamtes und des Planungsamtes, der Schulen und der Radl-Gruppe angehören. "Langsam rückt man bei der Planung davon ab, Fußgänger und Radfahrer, die einfach nicht zusammengehören, auf zu kleinen Flächen zusammenzubringen", sagt die Radl-Sprecherin.

"Ein begrüßenswertes Beispiel ist der gegenwärtige Ausbau der Stuttgarter Straße. Hier entsteht der erste Radfahrerstreifen in Leonberg", lobt Irmgard Meuer. Radfahrer können hier auf der Straße, getrennt von Fußgängern und Autos, zügig vorankommen. Nicht gelungen sei es der Gruppe, dies auch auf dem Neuköllner Platz durchzusetzen. Hier werden sich Radfahrer und Fußgänger auch in Zukunft die gleiche Fläche teilen müssen, bedauert die Sprecherin der Radl-Gruppe, die seit der Gründung der lokalen Agenda in Leonberg im Jahr 1998 dabei ist.

In all den Jahren habe es auch viel Frustration gegeben. Aber wie so viele in der Gruppe, habe auch sie die Erfahrung gemacht, dass ein langer Atem notwendig ist. "Vieles könnte schneller gehen, aber es tut sich was, und wir sind überzeugt, dass das Thema richtig und wichtig ist", betont Meuer. "Der Kostenfaktor Energie gibt uns recht. Es ist ein Problem, mit dem man sich auseinandersetzen muss." So sei Mobilität nicht von ungefähr dieses Jahr der Schwerpunkt der Gruppe gewesen, sowohl beim Pferdemarkt als auch beim Agenda-Fest, die beide unter dem Motto "Nachdenken - umdenken - umsteigen" gestanden haben.

"Doch um unsere Klientel zu erreichen, also Menschen, die noch nicht Rad fahren, müssen viel mehr Rahmenbedingungen stimmen als nur ein gutes Radwegenetz", ist Meuer überzeugt. Das beginne mit Bebauungsplänen, in denen Abstellmöglichkeiten für Räder eingeplant sind, und setze sich über Schließfächer bis hin zu Service-Stationen für Fahrräder fort, macht sie deutlich, was die Zukunft noch bringen könnte.