ZURÜCK

 

Gutachter schlagen freie Fahrt für Radler in der Stadt vor

Durch Westanschluss könnte Abschnitt Brenner-/Eltinger Straße umgestaltet werden - mehr Querungshilfen für Fußgänger und Radfahrstreifen angeregt

Leonberg. Wie viele andere Städte auch droht Leonberg im Autoverkehr zu ersticken. Die Folge des Abgascocktails sind hohe Feinstaub- und Ozonwerte. Nach Ansicht von Fachleuten könnten mehr Rad- und Gehwege in der Brenner- und Eltinger Straße Abhilfe schaffen.

von Daniel Renkonen

1,85 Meter breite Radfahrstreifen, nur zwei statt vier Fahrspuren und viele Querungshilfen für Fußgänger. Das sind nur einige Stichworte aus einem Katalog von Vorschlägen, die für eine bessere Luft in Leonberg sorgen könnten. Zusammengestellt wurden die Maßnahmen vom Schweizer Ingenieurbüro "metron". Nur die Vorschläge wurden in der Stadt bislang nie richtig öffentlich diskutiert, obwohl sie die Expertise selbst in Auftrag gegeben hat. Stattdessen verschwand das Gutachten vom Sommer 2002 nach der Präsentation in der Arbeitsgruppe Radverkehr in den Schubladen des Rathauses. "Die Studie ist einfach weg", wundert sich Irmgard Meurer von der RadL-Gruppe in Leonberg.

Lediglich die Gruppen der Lokalen Agenda 21, ein Zusammenschluss engagierter Bürger, haben in ihren öffentlichen Sitzungen angeregt über die Vorschläge beraten. Nachdem die Debatte bereits erloschen war, flammt sie nun wieder auf. Der Grund: Durch den neuen Autobahnanschluss West wird die durch Leonberg führende Bundesstraße B 295 zurückgestuft.

Beim Umbau der Kreuzung auf Radwege achten

Nach Ansicht der RadL-Gruppe der Lokalen Agenda 21 bietet das der Stadt Leonberg neue Perspektiven, zumal die Geze-Kreuzung umgebaut wird. "Es muss unserer Ansicht nach jetzt darauf geachtet werden, dass die Kreuzung so umgebaut wird, dass die Vorschläge von metron später überhaupt noch umsetzbar sind", fordert Meurer. Darauf will man im Leonberger Rathaus hinarbeiten, "nur wir kennen die Umbaupläne des Landratsamtes noch nicht", sagt Baubürgermeisterin Inge Horn. Sie bestätigt, dass die Stadt das Konzept für den Abschnitt der jetzigen B 295 in Auftrag gegeben hat. Laut Horn sind der Verwaltung bei der Umsetzung der Studie die Hände gebunden. "Wir können frühestens im Jahr 2008 über die Vorschläge diskutieren, wenn wir genau wissen, ob wir für die zurückgestufte Bundesstraße künftig zuständig sind." Leonbergs Baubürgermeisterin verweist außerdem auf "Sicherheitsbedenken" des Landes gegen die angeregten Radfahrstreifen.

Verkehrswegeplan mit ehrgeizigem Leitbild

Die Aktiven der RadL-Gruppe suchten unterdessen das Gespräch mit vier verschiedenen Gemeinderatsfraktionen, um "den Radverkehr in der Stadt wieder zu einem Thema zu machen" wie Meurer erklärt. Zu ihrer Überraschung bestand auch bei den Kommunalpolitikern noch ein großer Informationsbedarf. Denn in einem sind sich alle einig: Die Luft in Leonberg muss sauberer werden. Hierzu hat die Stadt im Jahr 2000 einen Verkehrsentwicklungsplan verabschiedet. Darin wird ein ehrgeiziges Leitbild formuliert. Bis zum Jahr 2010 soll der Anteil der Fußgänger, Fahrradfahrer und Busnutzer im innerstädtischen Verkehr auf 60Prozent steigen. Dieses Ziel haben die Fachleute seinerzeit aufgegriffen. In ihrer Studie kommen sie zu dem Ergebnis, dass das Leonberger Radwegnetz "vielfach an den Zielpunkten vorbei führt". Außerdem würden die Radfahrer zu "unattraktiven" Umwegen gezwungen.

Aus diesem Grund haben sich die Schweizer die verkehrsträchtige Hauptachse Berennerstraße, Leonberger- und Eltinger Straße genauer vorgenommen. Dabei entwickelten sie mehrere Alternativlösungen, um den Radlern wieder freie Fahrt zu ermöglichen. Am weitreichendsten sind die Änderungen in der Brennerstraße. Sie soll von vier auf zwei Fahrstreifen verschmälert werden. Ein 2,80 Meter breiter Grünstreifen soll die unwirtliche Straße optisch aufwerten. Jeweils 1,85 Meter breite beidseitige Radfahrstreifen runden das Straßenbild ab. Für Fußgänger werden mehrere Querungshilfen, eine in Höhe Dieselstraße, angeregt. Für die Leonberger Straße und die südliche Eltinger Straße wurde jeweils eine Busspur in südliche Richtung ins Gespräch gebracht.

ZURÜCK